Weiter in die eingeschlagene Richtung
Feb 28, 2006
Benedikt XVI. entschied sich bei seinen Kardinalsernennungen statt für europäische Oberhirten mit ihren traditionellen und dahinschwindenden Erzbischofssitzen für drei asiatische Bischöfe. Allen voran: ein Chinese.
(kreuz.net, 25. Februar 2006) Hong Kong - Nach seiner Ernennung zum Kardinal sprach der Bischof von Hong Kong, Mons. Joseph Zen Ze-kiun, mit der römischen Nachrichtenagentur ‘AsiaNews’. Als Grund für seine Ernennung zum Kardinal gab der Bischof an, daß der Papst China liebe.
Seit 1979 ist der Salesianer der erste Festlandchinese, der Kardinal wird.
Damals ernannte Johannes Paul II. den eingekerkerten Bischof von Schanghai – Ignatius Kardinal Kung Pin-mei († 2000) – zum Kardinal in pectore.
Der Name des neuen Kardinals wurde aus politischen Gründen erst 1991 bekanntgegeben.
Bischof Zen glaubt, daß seine Ernennung zum Kardinal eine Bestätigung seiner bisherigen Arbeit sei: „Der Papst weiß über die Richtung, die wir eingeschlagen haben, alles.“
Diese Richtung besteht darin, daß die mit dem kommunistischen Staat kollaborierende ‘Patriotische Vereinigung’ der in den Untergrund gedrängten und verfolgten papsttreuen Kirche vorgezogen wird.
Der chinesische Untergrundbischof von Qiqihar, Mons. Wei Jingyi, erklärte telephonisch vor ‘AsiaNews’, daß die Ernennung von Bischof Zen eine große Freude sei.
Qiqihar ist eine Stadt in der Provinz Heilongjiang im Nordosten von China.
Bischof Jingyi glaubt, daß der Papst Kardinal Zen ernannt habe, weil er Chinese ist: „Das ist eine perfekte Entscheidung, gerecht und intelligent.“
Die Ernennung zeige, daß die chinesische Nation und Kirche im Herzen des Papstes einen bedeutenden Platz einnähmen.
Ein Mitarbeiter von Kardinal Zen, Pater Peter Barry, erklärte, daß China wieder einen Kardinal gebraucht habe. Pater Barry arbeitet am ‘Studienzentrum Heiliger Geist’ in Hong Kong. Das Zentrum beschäftigt sich speziell mit der Kirche in der Volksrepublik China.
Pater Berry hält Bischof Zen für den besten Kandidaten, weil er bei den Katholiken der Volksrepublik besser bekannt sei, als irgend jemand sonst. Viele seiner Studenten seien Priester und Bischöfe in der Volksrepublik.
Bischof Zen hat von 1973 bis 1996 an verschiedenen Priesterseminarien in Hongkong und in der Volksrepublik – dort sowohl in staatlichen als auch in Untergrundseminarien – unterrichtet.
Der Direktor der Nachrichtenagentur ‘AsiaNews’, Pater Bernardo Cervellera, glaubt, daß der designierte Kardinal Zen die Einheit der chinesischen Kirche fördern werde.
Er kenne sowohl die Untergrundkirche als auch die ‘Patriotische Vereinigung’. Mons. Zen habe die Beziehung zwischen beiden gefördert und werde von beiden respektiert.
Sogar ein Teil der kommunistischen Politiker der Volksrepublik würden den designierten Kardinal nicht mit Abneigung sehen. Auch sein Einsatz für die Demokratie werde – so Pater Cervellera – als Hinweis auf eine gewaltlose Reform des kommunistischen Staatsapparates empfunden.
Dennoch warnte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums Bischof Zen sogleich nach der Bekanntgabe seiner Ernennung zum Kardinal, sich nicht in die Politik einzumischen.
„Wir haben unsere Position hinsichtlich der Beziehungen zum Vatikan mehrmals deutlich gemacht“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums.