Glaubenskrise bedeutet Familienkrise
Jul 12, 2006
Erzbischof von Toledo, beim theologisch-pastoralen Kongress des V. Weltfamilientreffens
VALENCIA, 6. Juli 2006 (ZENIT.org).- Die Gottvergessenheit zersetze die Familien, mahnte Kardinal Antonio Cañizares, Erzbischof von Toledo, am Mittwoch in der spanischen Metropole Valencia. Der Primas hielt an diesem Tag im Rahmen des V. Weltfamilientreffens den Eröffnungsvortrag zum internationalen theologisch-pastoralen Kongress über die Familie. Das Ereignis wurde von den Trauerfeierlichkeiten des Dienstagabends überschattet, die aus Anlass des tragischen U-Bahn-Unglücks – zu Beginn dieser Wochen waren aufgrund der Entgleisung eines zu schnellen Zuges der Linie 1 mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen – kurzfristig organisiert worden waren.
Der Hauptkongress des katholischen Großereignisses mit seinen 6.000 Teilnehmern aus aller Welt steht im Zeichen der Weitergabe des Glaubens in einer krisengeschüttelten Zeit.
Mit einem einleitenden Gebet legte Kardinal Telesphore Placidus Toppo, Erzbischof von Ranchi (Indien), den Beginn des Vortragszyklus in Gottes Hände.
Im ersten Vortrag stellte Kardinal Cañizares klar, wie wichtig und unverzichtbar die "Vermittlung des Glaubens in der Familie" schon vom frühen Kindesalter an sei. Fehle der Glaube, dann komme es zu einer Familiekrise, warnte er. Die fehlenden Grundlagen könnten schwerlich Jahre später vermittelt werden, fuhr der Kardinal fort.
Die fortschreitende Säkularisierung vermittle den Eindruck, als ob der Mensch im Privaten wie in der Öffentlichkeit auf Gott vergessen sollte; dabei sei gerade diese Gottvergessenheit für den Zerfall vieler Familien verantwortlich. Unter diesem schädlichen Einfluss hätten sie aufgehört, "Geburtsstätten des Glaubens" zu sein.
"Wir stehen vor dem Drama eines stillen Glaubensabfalls eines Großteils der Christen, ja sogar vor der Säkularisierung im Inneren der kirchlichen Gemeinschaft", erklärte der Primas von Spanien. Die richtige Antwort auf die gegenwärtige Situation liege bei den Familien. Diese sollten sich im Bemühen um die Weitergabe des Glaubens auf drei Grundsätze besinnen:
1.) Jesus Christus ist jenes Licht, das die Wahrheit und den Sendungsauftrag der Familien erhellt.
2.) Die Familie ist eine Gemeinschaft von Personen, die dem Leben dienen.
3.) Die Familie ist Erzieherin und Vermittlerin des Glaubens.
Abschließend bekräftigte der Kardinal, dass die Familie auch in der heutigen Zeit des gesellschaftlichen Auseinanderbrechens und des allgemeinen Werteverfalls "die erste und wichtigste Schule der Menschlichkeit" bleibe.