In Russland gibt es eine „heilige und starke Kirche“
Nov 06, 2008
Kardinal Andre Vingt-Trois zum Abschluss seiner Russlandreise
ROM, 5. November 2008 (ZENIT.org).- In Russland gibt es eine „heilige und starke Kirche, die durch das Zeugnis ihrer Märtyrer gereift ist“, erklärte der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Andre Vingt-Trois, zum Abschluss seiner Russlandreise.
Ziel der Reise, die in der letzten Oktoberwoche stattfand, war es, die Verbindungen zwischen der katholischen Kirche in Frankreich und der orthodoxen Kirche in Russland zu vertiefen, teilte die Bischofskonferenz letzte Woche in Paris mit.
Unter anderem fanden Begegnungen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Alexeij II. statt. Die Gespräche mit dem Oberhaupt der orthodoxen Kirchen der russischen Föderation bezeichnete Kardinal Vingt-Trois als „einfach und brüderlich”. Zu den wichtigsten Gesprächspunkten habe „die Bedeutung der Weitergabe des Glaubens an die Jugend“ gehört.
Der Kardinal hatte bei dem Besuch besonders die Märtyrer der orthodoxen Kirche während der Zeit des Kommunismus geehrt. Der Kardinal bestätigte die Offenheit des Patriarchen für einen möglichen „Austausch von Reliquien zwischen der russisch-orthodoxen und der katholischen Kirche in Frankreich“ und bekräftigte, dass der Wert der Heiligkeit der beiden Kirchen bekannt gemacht werden müsse.
In diesem Sinn hatte er das Grab des 1990 ermordeten Erzpriesters Aleksander Men und die Solowki-Inseln besucht, wo in einem ehemaligen Kloster im ersten Gulag der Sowjetzeit bereits in den zwanziger Jahren zahlreiche Gläubige inhaftiert waren.
Ebenfalls auf dem Programm stand eine Begegnung mit den Professoren und Studenten der ältesten Orthodoxen Theologischen Akademie des heiligen Sergej von Radonesch, die 1685 gegründet worden war. Der Pariser Oberhirte besuchte bei dieser Gelegenheit die römisch-katholischen Gläubigen des lateinischen Ritus und feierte zusammen mit ihnen und dem Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi einen Gottesdienst.
Alexeij II. hatte Kardinal Vingt-Trois nach einem Treffen in der französischen Hauptstadt am 3. Oktober letzen Jahres zu einem Gegenbesuch eingeladen. Es war die erste Reise eines Oberhauptes der russisch-orthodoxen Kirche nach Frankreich gewesen.
Der Patriarch brachte bei einer Begegnung mit dem Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz auch sein tief empfundenes Mitgefühl über die Ermordung von P. Otto Messmer SJ und P. Victor Betancourt SJ zum Ausdruck.
Mehr als 70 Prozent der Bewohner der Russischen Förderation sind Gläubige der russisch-orthodoxen Kirche (In Russland gibt es mehr als 13.000 Gemeinden). Die Russisch-Orthodoxen sind außerdem die größe Konfession in der Ukraine (rund 11.000 Gemeinden), in Wezßrussland (mehr als 1.000 Gemeinden), in Moldawien (mehr als 1.000 Gemeinden) und in Lettland (mehr als 200 Gemeinden). Eine bedeutende orthodoxe Minderheit lebt in Estland, Litauen, Kasachstan und in anderen Staaten Mittelasiens.
Das Moskauer Patriarchat hat mehr als 300 Gemeinden in Europa, Nord- und Südamerika, Australien und sogar in der Antarktis.