Kardinal Scheffczyk gestorben
Dec 16, 2005
Heute – am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis – ist der deutsche Dogmatiker und Mariologe im Alter von 85 Jahren gestorben.
(kreuz.net, 08. Dezember 2005) Köln - Der Kölner Kardinalerzbischof Joachim Meisner gab den Tod von Leo Kardinal Scheffczyk zu Beginn des Hochamtes von Mariä Empfängnis im Kölner Dom bekannt:
„Vor wenigen Stunden ist der große deutsche Theologe Leo Kardinal Scheffzyk in München gestorben. Er hat ein großes Buch über Maria geschrieben. Wir wollen ihn jetzt in unser fürbittendes Gebet hineinnehmen. So geht es in der Kirche wie in einer großen Familie: Sterben und Neugeburt. Wir wissen uns alle in Gottes Hand.“
Kardinal Scheffczyk wurde am 21. Februar 1920 in Beuthen geboren. Beuthen liegt in Oberschlesien, das nach dem Zweiten Weltkrieg Polen zugesprochen wurde.
Nach seiner Kindheit in Oberschlesien studierte der spätere Kardinal von 1938 bis 1941 an der Universität Breslau katholische Theologie. Ab Oktober 1945 begann die Vertreibung der deutschen Schlesier durch die sowjetischen Besatzungstruppen von Josef Stalin.
Der junge Seminarist verlor seine Heimat und schloß sein Studium nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1947 im bayerischen Freising ab.
Am 29. Juni desselben Jahres wurde Leo Scheffczyk dort für das Erzbistum Breslau, das inzwischen unter polnischer Verwaltung stand, zum Priester geweiht. 1999 inkardinierte er sich in die Erzdiözese München und Freising.
Von 1948 bis 1951 wirkte er als Subregens am Priesterseminar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein im Taunus im deutschen Bundesland Hessen.
Seine Dissertation verfaßte er über die „Geschichte der Religion Jesu Christi“ von Friedrich Leopold Graf von Stolberg († 1819).
Scheffczyk habilitierte 1957 über das Mariengeheimnis in Frömmigkeit und Lehre der Karolingerzeit beim berühmten Dogmatiker Michael Schmaus († 8. Dezember 1993) in München.
1959 wurde er zum Ordinarius im Fach Dogmatik an die Katholisch-Theologische Fakultät Tübingen berufen. Sechs Jahre später trat er die Nachfolge von Professor Schmaus an der Universität München an.
Der spätere Kardinal lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 als Professor für Dogmatik in München.
Aufgrund seiner theologischen Qualifikationen wurde er 1970 zum Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz berufen und nahm diese Aufgabe bis 1985 wahr.
1976 wurde er zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt.
Von 1983 bis 2001 wirkte er als Berater des Päpstlichen Rates für die Familie.
Leo Scheffczyk wurde am 21. Februar 2001 von Papst Johannes Paul II. wegen seiner theologischen Verdienste zum Kardinaldiakon ernannt. Kardinal Scheffczyk – der nicht zum Bischof geweiht wurde – war zu diesem Zeitpunkt schon 81 Jahre alt.
Sein Wahlspruch aus dem Epheserbrief lautete: „Evangelizare investigabiles divitias Christi“ – zu Deutsch: „Den unergründlichen Reichtum Christi verkünden“.
Kardinal Scheffczyk verfaßte über 80 Bücher und zahllose Artikel. Viele der Texte sind auf seiner Homepage abrufbar.
Im Oktober 1999 profilierte sich Professor Scheffczyk als scharfer Kritiker der ‘Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre’, die damals im bayerischen Augsburg unterzeichnet wurde.
Die ‘Gemeinsame Erklärung’ kam zum Schluß, daß ein „Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre“ zwischen der Katholischen Kirche und Vertretern der Lutheraner erreicht worden sei.
Der spätere Kardinal nannte das Dokument einen „Pyrrhussieg auf Kosten der Wahrheit“.