Münchner Kardinal Scheffczyk gestorben
Dec 16, 2005
Der deutsche Theologe und Kardinal Leo Scheffczyk ist am Donnerstagabend im Alter von 85 Jahren gestorben. Er erlag in seiner Münchner Wohnung den Folgen einer schweren Erkrankung, teilte das Ordinariat des Erzbistums München und Freising am Freitag mit. Papst Benedikt XVI. würdigte die Glaubenstreue und Bescheidenheit von Scheffczyk.
(Münchner Merkur, 09.12.2005) München - Scheffczyk stand für konservative Positionen. So plädierte er energisch für das Festhalten an der Ehelosigkeit für Priester. Zwar sei das Zölibat kein Dogma, aber eine solch alte Tradition dürfe man nicht einfach über Bord werfen, hatte er einmal erklärt. Auch ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten lehnte er strikt ab.
Er habe mit "tiefer Trauer" und "innerer Bewegung" die Nachricht vom Tode Scheffczyks erhalten, schrieb der Papst in einem Telegramm an den Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter. "In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild."
Kardinal Wetter würdigte Scheffczyk als liebenswürdigen Menschen, frommen Priester und "bedeutenden und einflussreichen Lehrer der Theologie". Die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hob dessen Forschungstätigkeit zur kirchlichen Lehre über Maria und die entsprechende Marien-Frömmigkeit hervor.
Der am 21. Februar 1920 in Beuthen in Oberschlesien geborene Scheffczyk war Zeitzeuge des II. Vatikanischen Konzils und lehrte an der Münchner Universität bis zu seiner Emeritierung Dogmatik. Im Jahr 2001 hatte ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben. Scheffczyk selbst nannte sich ganz volkstümlich einen "Ehrenkardinal". Die späte Ehre sei für ihn eine "völlige Überraschung", sagte er nach der Erhebung zum Kardinal. Wegen seines hohen Alters durfte Scheffczyk nicht an der Papstwahl im Frühjahr teilnehmen. Zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen gehörte eine als Standardwerk geltende achtbändige Ausgabe "Katholische Dogmatik".
Als Heimatvertriebener wurde Scheffczyk 1947 in Freising bei München zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe wirkte er als Kaplan in Grafing (Landkreis Ebersberg) und Pfarrvikar in Traunwalchen (Landkreis Traunstein). 1948 wurde er Subregens im Priesterseminar Königstein im Taunus. 1950 promovierte er, 1957 wurde er habilitiert und lehrte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein und als Professor an der Universität Tübingen. Von 1965 bis 1978 lehrte er als Professor für Systematische Theologie an der Münchner LMU.