Ein Vorbild der Glaubenstreue
Dec 15, 2005
Kardinal Wetter beim Pontifikalrequiem für Kardinal Leo Scheffczyk: „Er hat die Wahrheit des Evangeliums unverfälscht und mit Würde gelehrt.“
München (www.kath.net / ok, 14. Dezember 2005) Bischöfe aus dem In- und Ausland und Professoren vieler Katholisch-Theologischer Fakultäten aus Deutschland haben bei einem Pontifikalrequiem am Mittwoch, 14. Dezember, im Münchner Liebfrauendom für den am 8. Dezember verstorbenen international renommierten Theologieprofessor Kardinal Leo Scheffczyk gebetet. Das teilte das Erzbistum München am Mittwoch mit.
Auf den Stufen zum Altar des Doms war der Sarg mit dem Leichnam Scheffczyks aufgebahrt. Auf dem Sarg lagen das rote Kardinalsbirett, das ihm Papst Johannes Paul II. 2001 in Rom überreicht hatte und die Stola, die der 1947 von Kardinal Michael Faulhaber im Freisinger Dom geweihte Priester schon bei seiner Primiz getragen hatte. Der auf den Sarg gestellte Kelch, mit dem Scheffczyk oft die Eucharistie gefeiert hatte, war ein Geschenk seines Heimatpfarrers im oberschlesischen Beuthen, wo er 1920 geboren wurde.
Eine Leuchte der theologischen Wissenschaft
Kardinal Scheffczyk sei ein Mann der Kirche und eine Leuchte der theologischen Wissenschaft gewesen, sagte Kardinal Wetter. Das Zeugnis seines Glaubens und das Licht seiner Lehre werde weiterleuchten. Er habe unbestechlich der Wahrheit des Evangeliums gedient, an der er nicht habe rütteln lassen, auch wenn man ihn deswegen als konservativ habe abstempeln wollen.
In diese Schublade aber passe Scheffczyk nicht. Er habe sehr wohl den Wandel der Zeit und darin das Positive wie das Negative gesehen. Wer sein Werk kenne, wisse um die Weite seines Geistes. Wörtlich sagte Kardinal Wetter: „Er hat die Wahrheit des Evangeliums unverfälscht und mit Würde gelehrt, sich für sie eingesetzt und verzehrt und ist uns so ein Vorbild der Glaubenstreue geworden.“
Im Anschluss an das Requiem verlas der Nuntius, Erzbischof Ender, den Text des Telegramms, das Papst Benedikt XVI. zum Tode von Kardinal Scheffczyk an Kardinal Wetter geschickt hatte. Der Papst hatte Scheffczyks reiches priesterliches und wissenschaftliches Leben und Wirken gewürdigt, das „mit unermüdlichem Eifer der theologischen Durchdringung und Verkündigung der göttlichen Wahrheit“ gewidmet gewesen sei. Wörtlich heißt es in dem Papst-Telegramm: „In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild.“
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, feierte das Pontifikalrequiem in Konzelebration mit den Kardinälen Joachim Meisner (Köln), Georg Sterzinsky (Berlin), dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, den Erzbischöfen Ludwig Schick (Bamberg), Alfons Nossol (Oppeln), der oberschlesischen Heimat des Verstorbenen, ferner mit den Bischöfen Philip Boyce, Raphoe, Irland, Friedhelm Hofmann, Würzburg, Gerhard Ludwig Müller, Regensburg, Wilhelm Schraml, Passau. Auch der Rektor der 1938 gegründeten geistlichen Familie „Das Werk“, der Scheffczyk angehörte, Pater Peter Willi FSO, konzelebrierte.
Für den wegen nicht verschiebbarer Termine abwesenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verlas der Dompropst des Münchner Metropolitankapitels, Weihbischof Engelbert Siebler, dessen an Kardinal Wetter gerichtetes Kondolenzschreiben. Kardinal Lehmann schrieb wörtlich: „Wir danken einem großen Theologen, der seit über 50 Jahren sich für eine treue Vergegenwärtigung des katholischen Glaubens einsetzte.“ Er habe viele theologische Themen, so beispielsweise die Lehre von der Schöpfung und der Erbsünde, aber auch über die Gottesmutter Maria „ungewöhnlich bereichert“.