Über den Sinn des Weihnachtsfests
Dec 20, 2005
Die geistige Begegnung mit Christus ist mit dem "Ernst des Opfers für die anderen" verbunden
In einem Gespräch mit Michael Ragg von "Kirche in Not" sprach der am 8. Dezember in München verstorbene deutsche Theologe Leo Kardinal Scheffczyk Ende des vergangenen Jahres über das Wesen des christlichen Weihnachtsfests. Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir dieses Interview, in dem es auch um die Einzigartigkeit des Christentums ging.
Herr Kardinal, häufig kann man in der Vorweihnachtszeit hören und lesen, Weihnachten sei ja eigentlich gar kein christliches Fest, das Weihnachtsfest sei viel älter als das Christentum, da habe man eben die Wintersonnenwende oder irgendeinen Sonnengott gefeiert und die Kirche habe dieses Fest einfach übernommen. Was unterscheidet denn das christliche Weihnachtsfest von seinen heidnischen Vorläufern?
Kardinal Scheffczyk: Nun, wir wissen, dass das christliche Weihnachtsfest im 4. Jahrhundert in Rom in die abendländische Kirche eingeführt und auf den 25. Dezember festgelegt wurde. Dabei spielte die alte heidnische Festfeier des Sonnengottes schon eine Rolle, die als Tag des wachsenden Lichtes begangen wurde. In dem Bestreben, gegen das heidnische Brauchtum ein Gegenstück zu setzen, wurde das Erinnerungsfest an die Geburt Jesu auf diesen Tag gelegt. Dabei wurde dem heidnischen Sonnengott die biblische Bezeichnung Jesu Christi als Sonne der Gerechtigkeit entgegengestellt. Daran lässt sich ersehen, dass sich der Inhalt des christlichen Festes gegenüber dem heidnischen gänzlich neu bestimmt und wesentlich neu gefasst war. Dort im Heidentum wurde ein immer wiederkehrendes Naturgeschehen gefeiert, hier im christlichen Bereich eine einmalige geschichtliche Gottestat. Die Unterschiede sind also unübersehbar und nicht aufeinander zurückzuführen.
Heute steht also im Zentrum von Weihnachten Jesus Christus. Wenn jetzt aber ein außerirdischer Besucher käme, und er würde mal einen Nachmittag lang durch eine unserer Großstädte bummeln, dann müsste er zu dem Schluss kommen, an Weihnachten gehe es um einen dicken Mann mit weißem Bart und rotem Mantel, den man Weihnachtsmann nennt. Was hat dieser Weihnachtsmann mit Weihnachten zu tun?
Kardinal Scheffczyk: Das angeführte Beispiel beweist die Verflachung und Verfälschung einer christlichen Wahrheit zu einer billigen Belustigungsfigur für Kinder in einer kommerzialisierten Gesellschaft. Die Vorstellung vom Weihnachtsmann leuchtet das erste Mal schon im 18. Jahrhundert auf. Sie sollte die Gestalt des Christkindes als Geschenkgeber und Gabenspender ersetzen. An diesem Detail vom Wandel des Christkindes zum Weihnachtsmann lässt sich etwas von dem vor sich gehenden dramatisch religiös-kulturellen Verweltlichungsprozess erkennen, bei dem christliche in weltliche Vorstellungen umgeprägt und damit zugleich auch belanglos und irgendwie banal werden. Für den Christen wird daran anlässlich des Weihnachtsfestes die große Aufgabe deutlich, diesen Prozess nicht als unabwendbar hinzunehmen, sondern ihm die christliche Tradition entgegenzusetzen, und sei es auch nur im Kreis der Familie und der Kinder, die eben nicht dem Weihnachtsmann, sondern Christus oder dem Christkind begegnen wollen.
Es gibt noch immer viele Menschen, die doch ahnen, dass Weihnachten eine religiöse Bedeutung hat. Das merkt man daran, dass an Weihnachten die Kirchen voll sind und der Besuch der Weihnachtsgottesdienste sogar noch zunimmt. Wer in die Kirche geht, hört dann die Weihnachtsgeschichte von Jesus im Stall von Bethlehem. Was ist eigentlich dran an dieser "Geschichte"?
Kardinal Scheffczyk: Die an Weihnachten gefüllten Gotteshäuser sind ein Beweis dafür, dass die Weihnachtsbotschaft den Menschen noch etwas zu sagen hat, auch wenn sie sich nicht immer von ihrem inneren Kern anrühren lassen. Der Kern aber ist ein geschichtliches Ereignis, von dem in natürlicher Weise berichtet oder erzählt werden muss. Dabei ist es nicht zu umgehen, dass sich ein solcher Bericht in menschliche Darstellungs- und Ausdrucksformen kleidet, dass er in Form einer anschaulichen Geschichte erzählt und eben als Erzählung dargeboten wird. Nur erhebt diese Geschichte den Anspruch, nicht eine phantasiereiche Poesie oder Legende zu sein, sondern wirklich Geschehenes wiederzugeben, so dass wir sagen, es ist nicht eine Geschichte, sondern es ist die Geschichte der Geburt des Erlösers, des Christusereignisses, in der schlichten Form einer allgemeinverständlichen gläubigen Erzählung gehalten, die zugleich auch das Glaubensgeheimnis verkünden will.
In der Weihnachtsgeschichte wird uns gesagt, dass dieser Jesus von einer Jungfrau geboren worden sei. Ist das nur ein Symbol für das Besondere an diesem Geschehen, wie das heute manche Theologen meinen, oder darf man das wörtlich nehmen?
Kardinal Scheffczyk: Der Glaube der Kirche versteht die Jungfrauengeburt tatsächlich realistisch und in diesem Sinne wörtlich. Die geistgewirkte jungfräuliche Empfängnis Marias ist sogar einer der Pfeiler des Weihnachtsgeheimnisses. Bei einer Erzeugung Jesu durch Maria und Josef hätte die Christenheit kaum Grund zur Annahme eines Weihnachtswunders kommen können. Es wäre also als ein ganz natürliches Geschehen angesehen worden, bei dem dann das Neuartige, das Gnadenhafte und Göttliche dieser Gottestat nicht mehr hätte zum Vorschein kommen können.
In der Jungfrauengeburt geschah eben das, was der Evangelist Johannes andeutet: dass nämlich diese Geburt nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geschah.
Das war wirklich eine ganz besondere Geburt, denn da ist jemand geboren, der laut Bibel von sich selbst sagt, er sei "der Weg, die Wahrheit und das Leben". Nun wird Weihnachten ja auch als "Fest des Friedens" bezeichnet und ein solcher Anspruch, wie ihn das Christentum erhebt, scheint ja geradezu in einen Kampf der Kulturen zu führen, wie ihn der islamische Fundamentalismus betreibt. Muss man heute diesen Anspruch Jesu Christi relativieren?
Kardinal Scheffczyk: Mit Ihrem Hinweis bestätigen Sie, dass es sich bei der Geburt des Sohnes Gottes in der Menschheit um etwas Einzigartiges handelt, um ein abgrundtiefes Geheimnis, das den reinen Verstandesmenschen gewaltig herausfordert. Dieses Ereignis begründet auch die Einzigartigkeit des Christentums unter den Religionen. Daraus ergeben sich für das Christentum auch praktische Folgerungen, wie etwa die Verpflichtung zur Missionierung und Ausbreitung dieser einzigartigen Botschaft Christi, was dann von den Gegnern des Christentums gleich als Verletzung des Toleranzgedankens angesehen wird. Aber das Festhalten an der Gottheit Christi und der Einzigartigkeit des Christentums besagt nicht einen Anruf zum Kampf gegen die Religionen und Kulturen, sondern gerade im Namen des Gottes der Liebe und des Friedens einen Appell zum Verstehen der anderen Religionen und ihrer Anhänger. Das ist die recht verstandene Toleranz, die nicht aus Gleichgütigkeit gegenüber der Wahrheit erwächst, sondern aus der Anerkennung der Freiheit des Andersdenkenden. Sie hindert nicht die Verkündigung und Verbreitung der eigenen Wahrheit in der Mission und der Neuevangelisierung.
Die katholische Kirche nennt Maria die "Mutter Gottes". Oft wird der Vorwurf laut, dadurch würde Maria zur Göttin gemacht. Was bedeutet dieser Titel?
Kardinal Scheffczyk: Gegen diesen Titel hat man in alter wie in neuer Zeit den Einwand erhoben, dass er etwas Unmögliches behaupte. Denn, so sagt man, Gott kann nicht geboren werden. Aber das behauptet dieser Titel tatsächlich nicht. Er besagt vielmehr, dass der Mensch gewordene Sohn Gottes, weil in ihm die Einheit von Gottheit und Menschheit geschlossen und gegeben war, von einer menschlichen Mutter geboren wurde. Diese konnte dann, weil diese Einheit von Gott und Mensch in der Person gegeben war, auch wirklich als Gottesmutter bezeichnet werden.
So ist der Titel Gottesmutter für Maria eine wichtige Stütze und eine neuerliche Bekräftigung des Geheimnisses der gott-menschlichen Einheit in Christus und auch eine Hilfe zur Erklärung des Weihnachtsgeheimnisses.
Bei der Geburt Jesu war auch der Mann Marias, Josef, dabei, dem wir keine so große Aufmerksamkeit schenken. Worin lag denn seine Aufgabe in dem ganzen Geschehen und worin liegt seine Bedeutung für uns heute?
Kardinal Scheffczyk: In der gesamten Geburts- und Kindheitsgeschichte spielt auch der gesetzliche Ehemann Marias und der gesetzliche Vater Jesu, der heilige Josef, eine wichtige Rolle – sowohl in der Darstellung des Evangelisten Matthäus wie auch in der des Lukas. Freilich gehört der heilige Josef nicht in die Ordnung des inneren geheimnisvollen Vollzugs des Weihnachtsgeschehens zwischen Christus, dem Heiligen Geist und Maria hinein, sondern mehr in den Bereich der äußeren, irdisch menschlichen und geschichtlichen Vorbereitung dieses inneren Geheimnisses. Aber zur Verwirklichung eines göttlichen Geheimnisses der Geschichte gehört eben auch all das hinzu, was an menschlicher Zubereitung, an Mithilfe und Grundlegung notwendig war. Darüber hinaus kommt dem heiligen Josef auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung zu, wenn man etwa bedenkt, dass er es war, der den Namen Jesus in die Einwohnerliste des Römischen Reiches eintrug und ihm damit seinen Platz in der Weltgeschichte zuwies.
In all dem erweist sich Josef auch als der erste männliche Christusgläubige, der sein ganzes Leben in den Dienst des Weihnachtsgeheimnisses stellte. So bleibt er der vorbildliche Helfer zur Verwirklichung des Weihnachtsgeheimnisses und der Weggeleiter in dieses Geheimnis hinein.
Zurück zu Jesus selbst. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass hier ein Gott, wie das Christentum es verkündet, als ein schwaches Baby in einem ärmlichen Stall zur Welt kommt. Das ist ja ohne wirkliches Vorbild. Wie geht das zusammen?
Kardinal Scheffczy: Das Weihnachtsgeheimnis ist zuletzt ein Geheimnis der übergroßen Liebe Gottes, wie es der heilige Paulus im Titusbrief ausdrückt, wenn er sagt: "Erschienen ist die Güte und Menschenliebe Gottes." Dabei steht im Hintergrund das Bewusstsein von der unvergleichlichen Größe Gottes und von der Geringheit, von der Armut, geradezu von der Nichtigkeit des menschlichen Geschöpfes. Aber Gott hat diese unendliche Differenz nicht gescheut. Er wollte und konnte diese Distanz kraft seiner Menschenliebe, die er schon in der Schöpfung und in der Begnadung bewies, überwinden. Dabei wollte Gott das Menschliche gleichsam an seinem tiefsten Punkt ergreifen, nämlich in der Schwäche und Bedürftigkeit eines Kindes. Vor allem der Bericht des Matthäus zeigt eine deutliche Neigung zum Armen, zum Bedrängten, zum Gefährdeten, dem Jesus vor allem verpflichtet sein wollte. Damit aber hat der Herr zugleich dem Armsein und Kindsein eine einzigartige Würde und Bedeutsamkeit zuerkannt, die wir heute, im Zeitalter der Zivilisation des Todes, als ernste Mahnung verstehen sollten.
In der christlichen Verkündigung ist ja gerade in den letzten Jahrzehnten die Rede vom "barmherzigen" Gott immer stärker herausgestellt worden. Was heißt das eigentlich?
Kardinal Scheffczyk: Die im Weihnachtswunder auftretende Liebe Gottes lässt sich in ihrer Eigenart noch genauer als göttliche "Barmherzigkeit" bestimmen, welche speziell die Liebe Gottes gegenüber dem schwach Gewordenen, dem gefallenen Geschöpf, dem hilfsbedürftigen Menschen besagt. Es ist zutiefst die Liebe Gottes zu den Sündern, zu denen, die sich in der Sünde gegen die Hoheit und Hochheiligkeit Gottes verfehlt und sich dem Anruf Gottes versagt haben. Das aber war die Gesamtsituation der in Adam gefallen Menschheit vor der Ankunft des Versöhners und des Erlösers. Es ist bezeichnend, dass in der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums mehrere Male vom Erbarmen Gottes die Rede ist.
Seinen höchsten Ausdruck findet dieses Erbarmen im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das eigentlich das Gleichnis der grenzenlosen, unerschöpflichen Sünderliebe darstellt. Sie hat im Weihnachtsereignis ihre Quelle. Sie fließt von diesem Punkt in das ganze Leben, in die Geschichte der ganzen Menschheit hinein.
Jesus, so verkündet es die Kirche, ist in die Welt gekommen, um uns Menschen zu "erlösen". Aber man weiß ja heute gar nicht mehr, wovon...
Kardinal Scheffczyk: Im Weihnachtsereignis erscheint Christus tatsächlich als der Retter, der Heiland, der Erlöser der Welt. Die Erlösung aber ist im Wesen und im Kern, wie das Wort schon sagt, eine Herauslösung vor allem aus der Sünde, aus dem ewigen Tod und aus der Gewalt des Bösen, auch des Bösen in Person, des Teufels. Sie ist aber zugleich auch eine Einigung des Menschen mit Gott, mit seiner Heiligkeit und mit dem göttlichen Leben der Gnade, für die wir eins werden mit Gott.
Heute zeigt man allerdings für den Begriff der Erlösung, vor allem durch das Kreuz, keine große Vorliebe – wegen seiner Nähe zum Opfer und zur Sühne. Man greift deshalb lieber zu dem Begriff der Befreiung, der sich auch auf die irdischen Nöte und Bedrängnisse des Menschen ausdehnen lässt. Man sagt dann mit Betonung, Gott habe in der Erlösung den Menschen aus gänzlich freier Liebe vom tiefsten Elend befreit. Aber auch dann muss man erklären, warum die Befreiung gerade auf dem Weg des Kreuzes vor sich ging.
Die Weihnachtsberichte deuten an, dass die freiwillige Hingabe an den Vater am Kreuz der Ausdruck der vollkommenen, der selbstlosesten Liebe ist. Eine größere Liebe aber hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde, erklärt uns der heilige Johannes.
In unserer Kultur steht im Weihnachtsfest nicht die Erlösung im Vordergrund. Vielmehr gilt es als das Fest der Geschenke. Passt denn, Herr Kardinal, aus kirchlicher Sicht das Schenken zum Weihnachtsfest?
Kardinal Scheffczyk: Wenn man vom Kern des Weihnachtsfestes ausgeht, als der Offenbarung der Liebe Gottes in radikaler Hingabe an die menschliche Gebrechlichkeit und Armut, dann darf man das Weihnachtsgeschehen im Ganzen als ein Geschenk Gottes an die Menschheit betrachten. Das Kind in der Krippe ist die Gnade und Gabe Gottes in Person, durch sich der Mensch unermesslich beschenkt weiß. Dieses Wissen löst im Menschen natürlicherweise einen Impuls aus, von diesem Beschenktsein auch anderen mitzuteilen. Darum ist der Brauch des Schenkens und Sich-Beschenkens, das sich in neuerer Zeit gebildet hat, durchaus sinnvoll. Dieses Schenken ist ein Reflex unseres Beschenktseins durch Christus. Es ist ein Abglanz des Christuslichtes der Weihnacht. Von diesem Sinn und diesem Geist müsste auch unser Schenken beseelt sein.
Wenn wir diesen Sinn des Schenkens erkannt haben, was und wie sollen wir schenken, um ihm gerecht zu werden?
Kardinal Scheffczyk: Bei Christen müsste das Schenken vom Geist des Christuskindes erfüllt und bestimmt sein. Diesem Geist liegt nun einmal jeder Prunk und jeder übertriebene Aufwand fern. Es liegt ihm aber die Hinwendung zu den Armen und die Abhilfe der Not der Armen nahe.
In einer Kultur des weihnachtlichen Schenkens sollte deshalb das Schenken nicht nur als Geste der Hinwendung zu den Nächsten, zu den verwandten Menschen verstanden werden, sondern immer auch als Opfer für die Armen, für die Notleidenden angesehen und aufgenommen werden.
Weihnachten heißt auch das Fest der Familie. Gerade Menschen ohne Familie leiden häufig in den Weihnachtstagen ganz besonders. Kann man denn Weihnachten nur als Familienfest begehen?
Kardinal Scheffczyk: Weihnachten ist vom Ursprung her eben in die Familien eingesenkt und um die Familie zentriert. An der Geburt Jesu in einer Familie geht uns auf, dass die Familie der Ursprung des natürlichen, aber in gewisser Weise auch des übernatürlichen Lebens ist. Deshalb ist die Familie auch der angemessenste Raum für die Feier des Weihnachtsfestes. Wem allerdings dieser Raum versagt bleibt, der muss sich leiblich oder auch geistig einer Gemeinschaft anschließen. Und wer gänzlich einsam bleibt, sei es aus äußerer Notwendigkeit oder aus höherer Fügung, der sollte sich bewusst in die Zurückgezogenheit und Einsamkeit der Krippe von Bethlehem versenken.
In der Angleichung an die Zurückgezogenheit der Heiligen Familie im Stall von Bethlehem und an die Armut Jesu kann ihm das Licht der Weihnacht wie am Gegensatz ebenso hell aufgehen. Und in einer bestimmten Weise wird er im Hinblick auf die Krippe immer auch Gemeinschaft empfinden und Gemeinschaft erleben.
Jesus Christus ist geboren, um uns Menschen zu retten, haben Sie gesagt. Aber was bedeutet das für mein Leben jetzt und hier? Wie kann Christus in mir geboren werden?
Kardinal Scheffczyk: Mit dieser Frage rühren wir an die tiefste Möglichkeit, das Weihnachtsfest geistlich fruchtbar zu machen. Das Weihnachtsereignis, die Geburt Christi, kann in geistiger und mystischer Weise in uns selbst wieder Wirklichkeit werden. Der Mensch, der sich im Glauben und in der Liebe mit Christus vereint, kann erfahren, dass Christus gleichsam in ihm geistiger Weise neu aufgeht, neu geboren wird: als Retter, als Helfer, als Tröster und auch als Freund. Indem der Geist, die Kraft, das Leben Christi in unser Herz eingeht, wird Jesus in unserem Herzen in gewisser Weise neu geboren.
Die Heilige Nacht soll ja eine ganz besondere Nacht sein. Das hören wir gerade in diesen Tagen in vielen Geschichten. Nun ist Jesus vor 2000 Jahren geboren. Und doch betet die Kirche gerade am Weihnachtstag " Heute ist Christus geboren". Warum heute?
Kardinal Scheffczyk: Diese Frage zielt auch auf die Möglichkeit einer noch tieferen Einigung mit Christus und zwar in der Feier der Liturgie. Tatsächlich wird in der liturgischen Feier das Ereignis, das man begeht, in gewisser Weise wieder gegenwärtig – zunächst in der Erinnerung, im Gedächtnis. Aber das ist kein bloßes gedankliches Erinnern, das sich nur im Denken des Menschen vollziehen würde. Vielmehr ragt in den Zeichen und Handlungen der Liturgie, vermittels der Gnade, etwas von der Wirklichkeit des Erinnerten in die Feier der Gemeinde hinein. Am tiefsten und intensivsten geschieht diese Vergegenwärtigung Christi im heiligen Messopfer, im Blut und Leib Jesu Christi, welcher der Leib des in Bethlehem geborenen Herrn ist.
Wie kann man konkret aus der Weihnachtsroutine ausbrechen und dieses Fest wieder tiefer erleben?
Kardinal Scheffczyk: Nun, alles, was in einem zeitlichen Rhythmus wiederkehrt und sich im Menschenleben wiederholt, kann auch der Routine anheim fallen und so schal und brüchig werden. Der Gefahr der Veräußerlichung, der Entleerung des Festes, ist grundsätzlich mit dem aufrichtigen Willen zu begegnen: zurück zum Ursprung, zum wahren Sinn des Weihnachtsfestes in der geistigen Begegnung mit dem Kind von Bethlehem, mit Christus, dem Herrn. Es ist dies eine Begegnung mit dem Licht Christi, das immer auch den Ernst des Opfers für die anderen bei sich hat. Wer das bedenkt, wird der Gefahr der Routine entgehen.
Wie werden Sie denn selbst das Weihnachtsfest erleben?
Kardinal Scheffczyk: Am Heiligen Abend feiere ich die Christmette mit den Senioren eines Altersheims, in dem ich normalerweise auch den Sonntagsgottesdienst halte. Darauf besuche ich die Leute bei ihrem Weihnachtssingen und begrüße sie. Danach bin ich in einer geistlichen Gemeinschaft und feiere mit dieser zusammen.
Abschied von Kardinal Scheffczyk
Dec 20, 2005
Am vergangenen Mittwoch versammelte sich am späten Vormittag eine große Trauergemeinde in der Münchner Frauenkirche, um von Kardinal Leo Scheffczyk Abschied zu nehmen.
eutsche Tagespost’, 17.12.2005) München - Auf dem Sarg vor dem Altar lag das rote Kardinalsbirett, das der Verstorbene vor nicht ganz fünf Jahren an seinem einundachtzigsten Geburtstag aus den Händen von Johannes Paul II. auf dem Petersplatz empfangen hatte. Bis zum Sommer diesen Jahres waren Scheffczyk die Kräfte geschenkt, seine rege Vortragstätigkeit und seine unermüdliche publizistische Arbeit fortzusetzen. Am 8. Dezember, dem Hochfest der Immaculata, ist der Priester, Wissenschaftler und Träger der Kardinalswürde in seiner Wohnung in München nach längerer Krankheit im Alter von fünfundachtzig Jahren verstorben.
Der Münchner Erzbischof Kardinal Wetter machte auf die Zeichenhaftigkeit dieses Sterbetages aufmerksam. Die von Scheffczyk verehrte Gottesmutter habe nun den Verstorbenen gewiss mit mütterlicher Hand in die Herrlichkeit ihres Sohnes geführt. Scheffczyk habe nach dem Krieg und dem Verlust seiner schlesischen Heimat in Bayern ein neues Zuhause gefunden. Wetter fasste kurz die akademische Laufbahn des Verstorbenen zusammen: Nach der Priesterweihe durch Kardinal Faulhaber 1947, nach Promotion, Habilitation, Dozententätigkeit und der Berufung als Ordinarius für Dogmatik nach Tübingen 1959 begann 1965 sein zwanzigjähriges Wirken als Dogmatikprofessor in München. Trotz seiner Tätigkeit als Hochschullehrer und Buchautor sei Scheffczyk immer ein den Menschen naher Seelsorger gewesen. Über viele Jahrzehnte hinweg war Scheffczyk in einem Münchner Altenheim priesterlich tätig. Als hochverdienter Mann der Kirche sei Scheffczyk stets demütig, von lauterem Wesen, nobler Gesinnung und gütig im Handeln gewesen. Seinen theologischen Dienst habe er als Dienst für Christus, der die Wahrheit ist, und als Dienst für die Kirche, der vom Herrn die Wahrheit anvertraut wurde, und als Dienst für die Menschen, die nur durch die Wahrheit geheilt werden, verstanden. Die katholische Glaubenswelt sei in ihrer ganzen Weite die geistige Heimat von Leo Scheffczyk gewesen. Was er gelehrt hat, habe er auch gelebt. Mit dem Hinweis auf den Wahlspruch "Den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen" (Eph 3, 8) erschloss der Münchner Erzbischof die Mitte der Sendung des Verewigten: Im Zentrum seines Lebens und Arbeitens habe Jesus Christus gestanden, der allen Reichtum Gottes in sich birgt. Aus dem lebendigen Ergriffensein von Christus habe Scheffczyk in das Sein mit Christus geführt.
Nach dem Requiem verlas der apostolische Nuntius Erzbischof Erwin Josef Ender das Beileidstelegramm von Papst Benedikt XVI. Ein Kondolenzschreiben des nicht anwesenden Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann, der zusammen mit Professor Scheffczyk 2001 in Rom mit dem Kardinalspurpur ausgezeichnet worden war, wurde ebenfalls vorgetragen. Professor Konrad Hilpert, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München, würdigte, im Namen der zahlreich anwesenden Professorenschaft, den akademischen Werdegang und die theologischen Verdienste des ersten Mitglieds der Münchner Fakultät, das seit ihrem Bestehen in das Kardinalskollegium aufgenommen wurde.
Während der Sarg aus der Kirche getragen wurde, sang die Trauergemeinde das Wallfahrtslied zur Muttergottes im Dom zu Altenberg "Nun Brüder sind wir frohgemut" und entsprach damit einem Wunsch von Leo Scheffczyk. Mit einer Bitte an die Gottesmutter schließt die letzte Strophe: "Und führe uns in aller Zeit/ mit deinen guten Händen,/ um Gottes große Herrlichkeit/ in Demut zu vollenden." Viele Priester, das Münchner Domkapitel, zahlreiche Bischöfe, darunter der Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, der Bischof von Regensburg Gerhard Ludwig Müller, der Passauer Oberhirte Wilhelm Schrammel, Philip Boyce, Bischof von Raphoe in Irland, der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, die Kardinäle Joachim Meisner, Köln, Georg Sterzinski, Berlin und Nuntius Erwin Josef Ender geleiteten zum Abschied von München den Sarg durch das Domportal zur Überführung nach Bregenz.
Als seine letzte Ruhestätte hat der Kardinal den Friedhof der Gemeinschaft "Das Werk" im Kloster Thalbach in Vorarlberg bestimmt. Der Rektor der geistlichen Familie "Das Werk", Pater Peter Willi nahm als Konzelebrant am Requiem teil. Ohne die allseitige Unterstützung durch diese Gemeinschaft hätte das Kardinalat von Leo Scheffczyk nicht diese Wirksamkeit und bleibende Strahlkraft entfalten können, für die alle Mitfeiernden in München Gott und der Jungfrau Maria gedankt haben.
Münchner Kardinal Scheffczyk gestorben
Dec 16, 2005
Der deutsche Theologe und Kardinal Leo Scheffczyk ist am Donnerstagabend im Alter von 85 Jahren gestorben. Er erlag in seiner Münchner Wohnung den Folgen einer schweren Erkrankung, teilte das Ordinariat des Erzbistums München und Freising am Freitag mit. Papst Benedikt XVI. würdigte die Glaubenstreue und Bescheidenheit von Scheffczyk.
(Münchner Merkur, 09.12.2005) München - Scheffczyk stand für konservative Positionen. So plädierte er energisch für das Festhalten an der Ehelosigkeit für Priester. Zwar sei das Zölibat kein Dogma, aber eine solch alte Tradition dürfe man nicht einfach über Bord werfen, hatte er einmal erklärt. Auch ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten lehnte er strikt ab.
Er habe mit "tiefer Trauer" und "innerer Bewegung" die Nachricht vom Tode Scheffczyks erhalten, schrieb der Papst in einem Telegramm an den Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter. "In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild."
Kardinal Wetter würdigte Scheffczyk als liebenswürdigen Menschen, frommen Priester und "bedeutenden und einflussreichen Lehrer der Theologie". Die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hob dessen Forschungstätigkeit zur kirchlichen Lehre über Maria und die entsprechende Marien-Frömmigkeit hervor.
Der am 21. Februar 1920 in Beuthen in Oberschlesien geborene Scheffczyk war Zeitzeuge des II. Vatikanischen Konzils und lehrte an der Münchner Universität bis zu seiner Emeritierung Dogmatik. Im Jahr 2001 hatte ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben. Scheffczyk selbst nannte sich ganz volkstümlich einen "Ehrenkardinal". Die späte Ehre sei für ihn eine "völlige Überraschung", sagte er nach der Erhebung zum Kardinal. Wegen seines hohen Alters durfte Scheffczyk nicht an der Papstwahl im Frühjahr teilnehmen. Zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen gehörte eine als Standardwerk geltende achtbändige Ausgabe "Katholische Dogmatik".
Als Heimatvertriebener wurde Scheffczyk 1947 in Freising bei München zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe wirkte er als Kaplan in Grafing (Landkreis Ebersberg) und Pfarrvikar in Traunwalchen (Landkreis Traunstein). 1948 wurde er Subregens im Priesterseminar Königstein im Taunus. 1950 promovierte er, 1957 wurde er habilitiert und lehrte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein und als Professor an der Universität Tübingen. Von 1965 bis 1978 lehrte er als Professor für Systematische Theologie an der Münchner LMU.
Cardinal Scheffzyk, German theologian, dead at 85
Dec 16, 2005
Cardinal Leo Scheffzyk, a noted German theologian, died on December 8 in Munich at the age of 85.
Dec. 09 (CWNews.com) - Born in Silesia, Leo Scheffczyk was ordained a priest in 1947. He eventually transferred to the Archdiocese of Munich, where he worked as a theologian and consultant to the Pontifical Council for the Family. In 2001, Pope John Paul II (bio - news) honored his work by naming him to the College of Cardinals. He received his red hat at the consistory of February 2001, but by a special dispensation he was never ordained a bishop.
In a telegram to Cardinal Friedrich Wetter of Munich, Pope Benedict praised the deceased cardinal for his "indefatiguable zeal," and said that he was a "shining example for his students and many other believers." The Pope said that it was fitting that Cardinal Scheffzyk died on the feast of the Immaculate Conception, noting his devotion to the Virgin, and prayed that Mary would accompany him quickly to the "the house of the Father."
With the death of Cardinal Scheffzyk, there are now 179 members of the College of Cardinals, of whom 111 are under the age of 80 and thus eligible to vote in a papal election.
Kardinal Scheffczyk gestorben
Dec 16, 2005
Heute – am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis – ist der deutsche Dogmatiker und Mariologe im Alter von 85 Jahren gestorben.
(kreuz.net, 08. Dezember 2005) Köln - Der Kölner Kardinalerzbischof Joachim Meisner gab den Tod von Leo Kardinal Scheffczyk zu Beginn des Hochamtes von Mariä Empfängnis im Kölner Dom bekannt:
„Vor wenigen Stunden ist der große deutsche Theologe Leo Kardinal Scheffzyk in München gestorben. Er hat ein großes Buch über Maria geschrieben. Wir wollen ihn jetzt in unser fürbittendes Gebet hineinnehmen. So geht es in der Kirche wie in einer großen Familie: Sterben und Neugeburt. Wir wissen uns alle in Gottes Hand.“
Kardinal Scheffczyk wurde am 21. Februar 1920 in Beuthen geboren. Beuthen liegt in Oberschlesien, das nach dem Zweiten Weltkrieg Polen zugesprochen wurde.
Nach seiner Kindheit in Oberschlesien studierte der spätere Kardinal von 1938 bis 1941 an der Universität Breslau katholische Theologie. Ab Oktober 1945 begann die Vertreibung der deutschen Schlesier durch die sowjetischen Besatzungstruppen von Josef Stalin.
Der junge Seminarist verlor seine Heimat und schloß sein Studium nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1947 im bayerischen Freising ab.
Am 29. Juni desselben Jahres wurde Leo Scheffczyk dort für das Erzbistum Breslau, das inzwischen unter polnischer Verwaltung stand, zum Priester geweiht. 1999 inkardinierte er sich in die Erzdiözese München und Freising.
Von 1948 bis 1951 wirkte er als Subregens am Priesterseminar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein im Taunus im deutschen Bundesland Hessen.
Seine Dissertation verfaßte er über die „Geschichte der Religion Jesu Christi“ von Friedrich Leopold Graf von Stolberg († 1819).
Scheffczyk habilitierte 1957 über das Mariengeheimnis in Frömmigkeit und Lehre der Karolingerzeit beim berühmten Dogmatiker Michael Schmaus († 8. Dezember 1993) in München.
1959 wurde er zum Ordinarius im Fach Dogmatik an die Katholisch-Theologische Fakultät Tübingen berufen. Sechs Jahre später trat er die Nachfolge von Professor Schmaus an der Universität München an.
Der spätere Kardinal lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 als Professor für Dogmatik in München.
Aufgrund seiner theologischen Qualifikationen wurde er 1970 zum Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz berufen und nahm diese Aufgabe bis 1985 wahr.
1976 wurde er zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt.
Von 1983 bis 2001 wirkte er als Berater des Päpstlichen Rates für die Familie.
Leo Scheffczyk wurde am 21. Februar 2001 von Papst Johannes Paul II. wegen seiner theologischen Verdienste zum Kardinaldiakon ernannt. Kardinal Scheffczyk – der nicht zum Bischof geweiht wurde – war zu diesem Zeitpunkt schon 81 Jahre alt.
Sein Wahlspruch aus dem Epheserbrief lautete: „Evangelizare investigabiles divitias Christi“ – zu Deutsch: „Den unergründlichen Reichtum Christi verkünden“.
Kardinal Scheffczyk verfaßte über 80 Bücher und zahllose Artikel. Viele der Texte sind auf seiner Homepage abrufbar.
Im Oktober 1999 profilierte sich Professor Scheffczyk als scharfer Kritiker der ‘Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre’, die damals im bayerischen Augsburg unterzeichnet wurde.
Die ‘Gemeinsame Erklärung’ kam zum Schluß, daß ein „Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre“ zwischen der Katholischen Kirche und Vertretern der Lutheraner erreicht worden sei.
Der spätere Kardinal nannte das Dokument einen „Pyrrhussieg auf Kosten der Wahrheit“.
German Cardinal Leo Scheffczyk dies at 85
Dec 16, 2005
Cardinal Leo Scheffczyk, a conservative theologian who due to his age did not participate in the conclave that elected Pope Benedict XVI in April, has died, his office said Friday. He was 85.
(Associated Press, Dec. 09, 2005) MUNICH, Germany - In a telegram, the pope praised Scheffczyk for his contributions to the study of theology, which include 80 published books.
"He dedicated his rich, priestly and academic life ... to the depths of theology and proclamation of the truth of God," the pope said. "Through his unwavering faith as well as his human qualities and modesty, he remains a luminous example to his many pupils and many faithful."
Scheffczyk was elevated to the rank of cardinal in 2001 by then-Pope John Paul II.
Born in 1920 in the northeastern German city of Beuthen, which is now Bytom, Poland, Scheffczyk moved to Bavaria following the end of World War II. There, he began his theology studies first in Freising and later at the University of Munich.
Scheffczyk became a professor of theology, teaching for 20 years at Munich University's Theology Faculty, where the pope also earned his doctoral degree.
The focus of much of Scheffczyk's study was the Roman Catholic doctrine, including a 1996 eight-volume book on "Catholic Dogma" that was published with his student Anton Ziegenaus and became a standard work of the Catholic Church.
Universidad Navarra: 'estrecha colaboración' cardenal fallecido
Dec 16, 2005
La Universidad de Navarra ha destacado hoy la 'estrecha relación' que mantenía con esta institución el cardenal alemán Leo Scheffczyk, fallecido ayer en Munich a los 85 años, quien fue investido 'doctor Honoris Causa' por este centro académico.
(Terra Actualidad – EFE, 09-12-2005) En concreto, según dicha fuente, Scheffczyk fue investido doctor 'Honoris Causa' en 1994 por la Facultad de Teología de la Universidad de Navarra 'en reconocimiento a su labor investigadora y científica, así como por su relevante papel en la corriente de renovación de la teología alemana, en intenso contacto con el pensamiento y la cultura contemporáneos'.
El profesor de la Universidad de Navarra Pedro Rodríguez fue su padrino en la citada ceremonia.
También ha colaborado repetidamente en las revistas 'Scripta Theologica' y 'Anuario de Historia de la Iglesia' de la Universidad de Navarra, y ha intervenido en dos Simposios Internacionales de la Facultad de Teología de este centro académico.
Pontifikalrequiem für Leo Kardinal Scheffczyk
Dec 15, 2005
Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof von München und Freising, wird am Mittwoch, dem 14. Dezember, um 10.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom ein Pontifikalrequiem für den am 8. Dezember verstorbenen Theologen Leo Kardinal Scheffczyk feiern.
MÜNCHEN, 13. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Bereits am heutigen Dienstagvormittag wurde dessen Sarg in den Dom gebracht und dort aufgebahrt. Mitglieder der geistlichen Familie "Das Werk" – ihr gehörte der im Alter von 85 Jahren verstorbene Kardinal an – hielten den ganzen Tag über eine Gebetswache, die um 18.30 Uhr in den Sterberosenkranz für den Toten mündete.
Am Donnerstag wird Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, der wie der Verstorbene aus Schlesien stammt, um 11.00 Uhr ein Pontifikalrequiem in der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, Vorarlberg, halten. Anschließend wird auf dem Friedhof der geistlichen Familie "Das Werk" im Bregenzer Kloster Thalbach die Beerdigung vorgenommen werden.
Papst Benedikt XVI., der "mit tiefer Trauer und innerer Rührung" vom Heimgang des geschätzten Kardinals am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens Kenntnis erhalten hatte, würdigte in einem Beileidstelegramm das "reiche priesterliche und wissenschaftliche Leben und Wirken" seines verstorbenen Mitbruders. Mit unermüdlichem Eifer habe sich der am 21. Februar 1920 in Beuthen (Erzdiözese Breslau) geborene Priester "der theologischen Durchdringung und Verkündigung der göttlichen Wahrheit" gewidmet. "In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild."
Einige Schüler dieses Theologen, der bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München als Nachfolger des berühmten Michael Schmaus Professor für Dogmatik war, verfassten einen Nachruf, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Darin heißt es:
"Die Organisatoren und Teilnehmer Schüler der Theologischen Sommerakademie in Dießen schätzen die Lebensleistung des Priesters und Professors und sind dankbar für die vielen Vorträge und Predigten, die er in Dießen und beim Initativkreis katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg gehalten hat.
Für seine engagierte wissenschaftliche Leistung und sein klares Zeugnis für den Glauben der Kirche wurde er von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2001 mit der Kardinalswürde geehrt. Kardinal Scheffczyk prägte über ein halbes Jahrhundert die Theologie der Kirche, die Theologiestudenten und Priester. Seinem Wahlspruch gemäß, 'Den unerforschlichen Reichtum Christi verkündigen', wird er durch seine Bücher und Veröffentlichungen auch weit ins zweite Jahrtausend hineinwirken.
In seiner Predigt zum heiligen Josef im Jahr 2004 in Dießen sprach er von der 'demütigen Verfügbarkeit des Heiligen', vom 'Hüter und Beschützer des zentralen Glaubensgeheimnisses' und vom 'Diener am Heilsgeheimnis'. Diese Gedanken hat Kardinal Scheffczyk ins persönliche Leben integriert und sichtbar dafür Zeugnis abgelegt. Unermüdlich war er in seiner Arbeit und begleitete bis zuletzt mit seinem klaren analytischen Denken die Entwicklungen in Kirche und Welt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seine Liebe zur Muttergottes blieb unerschütterlich. Dass Gott Kardinal Leo Scheffczyk am Fest der Unbefleckten Empfängnis zu sich gerufen hat, ist ein unübersehbares Zeichen der Gnade Gottes."
Leo Kardinal Scheffczyk verfasste mehr als 80 Bücher und Einzelzeitschriften, über 500 Abhandlungen und Aufsätze, rund 400 wissenschaftliche Rezensionen und zahlreiche Lexika-Artikel. Herausragende Titel sind "Dogma der Kirche – heute noch verstehbar?", "Maria, Leitbild der Christen", "Maria, Mutter und Gefährtin Christi", "Katholische Glaubenswelt" und "Christus Gottessohn". In dem Buch "Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit" ist ein ausführliches Gespräch mit ihm "über das Katholische und die Kirche" dokumentiert.
Fallece el cardenal alemán Leo Scheffczyk
Dec 15, 2005
Recibió la distinción en 1994 por su destacado papel en la renovación de la teología alemana.
(revistaecclesia.com, Deciembre 2005) El profesor alemán Leo Scheffczyk, Doctor honoris causa por la Universidad de Navarra, falleció ayer, día 8, en Munich a la edad de 85 años. Doctor en Teología por la Universidad de Breslau, obtuvo la habilitación en la Universidad de Munich. A partir de 1957 inició su labor docente como profesor de Teología Dogmática, primero en Koenigstein y más tarde como catedrático en las Universidades de Tubinga y Munich. En la actualidad, era profesor emérito de la Facultad de Teología Católica de Munich.
Era miembro, desde 1973, de la Pontificia Academia Mariana Internationalis y, desde 1980, de la Bayerische Akademie der Wissenschaaften y de la Academica Theologica Romana. Ejerció también como consultor del Consejo Pontificio para la Familia y de prelado doméstico de Su Santidad. Fue editor durante varios años de la revista Münchener Theologische Zeischrift y también fundó la revista Forum Katholische Theologie.
Autor de sesenta monografías y varios centenares de artículos, muchos de sus libros han sido traducidos al castellano, francés, inglés e italiano. Destacan sus investigaciones sobre Teología Sistemática, con una orientación histórica tendente a comprender el desarrollo del dogma en las diferentes épocas, especialmente en el periodo posterior al Concilio Vaticano II.
Estrecha relación con la Universidad de Navarra
En 1994 fue investido doctor Honoris Causa por la Facultad de Teología de la Universidad de Navarra en reconocimiento a su labor investigadora y científica, así como por su relevante papel en la corriente de renovación de la teología alemana, en intenso contacto con el pensamiento y la cultura contemporáneos. El profesor Pedro Rodríguez fue su padrino en la citada ceremonia. El 21 de febrero de 2001 Juan Pablo II lo creó cardenal.
Ha colaborado repetidamente en las revistas "Scripta Theologica" y "Anuario de Historia de la Iglesia" de la Universidad de Navarra, y ha intervenido en dos Simposios Internacionales de la Facultad de Teología de este centro académico.
Pésame de Benedicto XVI
Al conocer la noticia de su fallecimiento, el Papa Benedicto XVI envió un telegrama de pésame al cardenal Friedrich Wetter, arzobispo de München
und Freising (Alemania). En él, el Santo Padre recordó la “entrega sacerdotal y la erudición científica del purpurado” así como “su infatigable dedicación a la investigación teológica y a la predicación de la verdad evangélica”. (Universidad de Navarra)
Unbestechliche Klarheit und geistliche Tiefe
Dec 15, 2005
Zum Tod von Kardinal Leo Scheffczyk: Stellungnahmen von Kardinal Joachim Meisner, Kardinal Friedrich Wetter und dem Linzer Priesterkreis.
Köln / München / Linz (www.kath.net, 11. Dezember 2005) Mit dem Tod des Münchner Theologieprofessors Kardinal Leo Scheffczyk „verliert die katholische Kirche in Deutschland und darüber hinaus einen authentischen Theologen und eine Stimme, die in den Raum der Öffentlichkeit – selten, aber dafür mit unbestechlicher Klarheit und geistlicher Tiefe – gesprochen hat“. Das erklärte der Kölner Kardinal Joachim Meisner.
Scheffczyk war am 8. Dezember im Alter von 85 Jahren gestorben. Der geborene Oberschlesier sei besonders in den ersten Nachkriegsjahren in der theologischen Ausbildungsstätte in Königstein im Taunus für die heimatvertriebenen Theologiestudenten „ein einfühlsamer und mutiger Begleiter zum Priestertum“ gewesen, erklärte Kardinal Meisner. „Seine Dogmatik sollte in keinem Bücherschrank eines Priesters und interessierten Laien fehlen.“
Kardinal Wetter: Einflussreicher Lehrer
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, so wie die Verantwortlichen der in zehn Ländern tätigen geistlichen Familie „Das Werk“, Pater Peter Willi FSO, und Mutter Katharina Strolz FSO, würdigten den Verstorbenen in einer gemeinsamen Todesanzeige. Scheffczyks Wirken als Priester und theologischer Lehrer sei vom Verlangen erfüllt gewesen, „zur Ehre Gottes, zum Heil der Seelen und zur Stütze des Lehramtes der Kirche die geoffenbarte Wahrheit darzulegen und zu bezeugen“.
Kardinal Scheffczyk sei ein seiner schlesischen Heimat und dem Bayernland sehr verbundener liebenswürdiger Mensch gewesen, ein bedeutender und einflussreicher Lehrer der Theologie und ein frommer Priester, der die Menschen im Glauben ermutigt und bestärkt habe.
Linzer Priesterkreis würdigt Scheffczyk
Auch der Linzer Priesterkreis würdigte Kardinal Leo Scheffczyk. Er sei „nicht nur ein genialer, brillanter, zeitgeistresistenter Theologe, eine tief spirituell geprägte Persönlichkeit und feinfühliger, charakterstarker Mensch und Priester“ gewesen, sondern auch „eine der wenigen kirchlichen Führungspersönlichkeiten, die den heutigen Einbruch des Neomodernismus klar sahen und kraftvoll bekämpften“, heißt es in einer Stellungnahme.
Kardinal Scheffczyk sei eine prägende Persönlichkeit des Wissenschaftlichen Beirates des Priesterkreises gewesen, der bei den 17. Internationalen Theologischen Sommerakademien 17 Mal referiert und die Planung aller Sommerakademien wesentlich mitgeprägt habe.
Biographie
Der am 21. Februar 1920 in Beuthen, mitten im oberschlesischen Kohlerevier, geborene und aufgewachsene Leo Scheffczyk gehörte dem Erzbistum Breslau an. Nach der Vertreibung lebte er in Bayern und wurde von Kardinal Michael Faulhaber am 29. Juni 1947 im Freisinger Dom zum Priester geweiht. In seinen Predigten finden sich oft Hinweise auf berühmte schlesische Landsleute, so die Dichter Angelus Silesius und Joseph von Eichendorff, die er gern zitierte.
Als Kardinal der katholischen Weltkirche sah er sich vor allem als Vermittler von Werten, die über das rein Humanitäre hinausgehen. Wenn das Humane nicht von Kräften aus der Welt des Übernatürlichen durchwirkt und erhoben sei, so sein Fazit, drohe ihm die Selbstzerstörung. Kardinäle seien, wie sie es im Treueversprechen gegenüber dem Papst formulierten, aufgefordert, „zum Wachsen des christlichen Glaubens, der Freiheit und der Mission der Kirche beizutragen“.
20 Jahre lang war Leo Scheffczyk bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München als Nachfolger des berühmten Michael Schmaus Professor für Dogmatik. Als theologischer Lehrer im Priesterseminar in Königstein im Taunus, an der Universität Tübingen und zuletzt an der Universität München hat er viele Seelsorger im deutschsprachigen Raum geprägt.
Der Wissenschaftler galt als Bewahrer der geistigen Autonomie der Theologie, der auch in der öffentlichen Auseinandersetzung um den katholischen Glauben und die Lehre der Kirche immer wieder offensiv Position bezog und Flagge zeigte. Ein halbes Jahrhundert habe er die Wahrheit des Glaubens der Kirche unverfälscht und mit Würde gelehrt, hatte Kardinal Wetter den Theologen zu seinem 85. Geburtstag noch im Februar dieses Jahres gewürdigt.
Der Theologe Scheffczyk hat mehr als 80 Bücher und Einzelzeitschriften, über 500 Abhandlungen und Aufsätze, rund 400 wissenschaftliche Rezensionen und zahlreiche Lexika-Artikel verfasst. Herausragende Titel sind „Dogma der Kirche – heute noch verstehbar?“, „Maria, Leitbild der Christen“, „Maria, Mutter und Gefährtin Christi“, „Katholische Glaubenswelt“ und „Christus Gottessohn“.
In dem Buch „Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit“ ist ein ausführliches Gespräch mit ihm „über das Katholische und die Kirche“ dokumentiert. Scheffczyk war Mitherausgeber des Handbuchs der Dogmengeschichte, eines Standardwerkes. Von 1966 bis 1984 arbeitete er als Mitherausgeber der „Münchner Theologischen Zeitschrift“. Er war Mitglied der geisteswissenschaftlichen Sektion der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Für den Päpstlichen Rat für die Familie und für die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz wirkte er als Berater. Die Opus-Dei-Universität in Pamplona verlieh ihm 1994 unter anderem wegen seiner Beiträge zur Menschenwürde den Ehrendoktortitel. Die sechsbändige Ausgabe des ersten deutschen Marien-Lexikons, ein Standardwerk, hat er mit herausgegeben.
Seelengottesdienste, Sterberosenkranz und Beerdigung
Für den verstorbenen Kardinal Scheffczyk wird Kardinal Wetter am kommenden Mittwoch, 14. Dezember, um 10.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom ein Pontifikalrequiem zelebrieren. Bereits am Dienstagmorgen, 13. Dezember, wird der Sarg in den Münchner Liebfrauendom gebracht und aufgebahrt. Die Gläubigen sind zum stillen Gebet für den Verstorbenen eingeladen. Mitglieder der geistlichen Familie „Das Werk“ werden den ganzen Tag über eine Gebetswache im Dom halten, die um 18.30 Uhr in den Sterberosenkranz für Leo Scheffczyk mündet.
Tag der Beerdigung ist der Donnerstag, 15. Dezember. In der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, Vorarlberg, wird der wie Scheffczyk aus Schlesien stammende Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, um 11.00 Uhr ein Pontifikalrequiem halten. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof der geistlichen Familie „Das Werk“ im Kloster Thalbach, Bregenz.
Ein Vorbild der Glaubenstreue
Dec 15, 2005
Kardinal Wetter beim Pontifikalrequiem für Kardinal Leo Scheffczyk: „Er hat die Wahrheit des Evangeliums unverfälscht und mit Würde gelehrt.“
München (www.kath.net / ok, 14. Dezember 2005) Bischöfe aus dem In- und Ausland und Professoren vieler Katholisch-Theologischer Fakultäten aus Deutschland haben bei einem Pontifikalrequiem am Mittwoch, 14. Dezember, im Münchner Liebfrauendom für den am 8. Dezember verstorbenen international renommierten Theologieprofessor Kardinal Leo Scheffczyk gebetet. Das teilte das Erzbistum München am Mittwoch mit.
Auf den Stufen zum Altar des Doms war der Sarg mit dem Leichnam Scheffczyks aufgebahrt. Auf dem Sarg lagen das rote Kardinalsbirett, das ihm Papst Johannes Paul II. 2001 in Rom überreicht hatte und die Stola, die der 1947 von Kardinal Michael Faulhaber im Freisinger Dom geweihte Priester schon bei seiner Primiz getragen hatte. Der auf den Sarg gestellte Kelch, mit dem Scheffczyk oft die Eucharistie gefeiert hatte, war ein Geschenk seines Heimatpfarrers im oberschlesischen Beuthen, wo er 1920 geboren wurde.
Eine Leuchte der theologischen Wissenschaft
Kardinal Scheffczyk sei ein Mann der Kirche und eine Leuchte der theologischen Wissenschaft gewesen, sagte Kardinal Wetter. Das Zeugnis seines Glaubens und das Licht seiner Lehre werde weiterleuchten. Er habe unbestechlich der Wahrheit des Evangeliums gedient, an der er nicht habe rütteln lassen, auch wenn man ihn deswegen als konservativ habe abstempeln wollen.
In diese Schublade aber passe Scheffczyk nicht. Er habe sehr wohl den Wandel der Zeit und darin das Positive wie das Negative gesehen. Wer sein Werk kenne, wisse um die Weite seines Geistes. Wörtlich sagte Kardinal Wetter: „Er hat die Wahrheit des Evangeliums unverfälscht und mit Würde gelehrt, sich für sie eingesetzt und verzehrt und ist uns so ein Vorbild der Glaubenstreue geworden.“
Im Anschluss an das Requiem verlas der Nuntius, Erzbischof Ender, den Text des Telegramms, das Papst Benedikt XVI. zum Tode von Kardinal Scheffczyk an Kardinal Wetter geschickt hatte. Der Papst hatte Scheffczyks reiches priesterliches und wissenschaftliches Leben und Wirken gewürdigt, das „mit unermüdlichem Eifer der theologischen Durchdringung und Verkündigung der göttlichen Wahrheit“ gewidmet gewesen sei. Wörtlich heißt es in dem Papst-Telegramm: „In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild.“
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, feierte das Pontifikalrequiem in Konzelebration mit den Kardinälen Joachim Meisner (Köln), Georg Sterzinsky (Berlin), dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, den Erzbischöfen Ludwig Schick (Bamberg), Alfons Nossol (Oppeln), der oberschlesischen Heimat des Verstorbenen, ferner mit den Bischöfen Philip Boyce, Raphoe, Irland, Friedhelm Hofmann, Würzburg, Gerhard Ludwig Müller, Regensburg, Wilhelm Schraml, Passau. Auch der Rektor der 1938 gegründeten geistlichen Familie „Das Werk“, der Scheffczyk angehörte, Pater Peter Willi FSO, konzelebrierte.
Für den wegen nicht verschiebbarer Termine abwesenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verlas der Dompropst des Münchner Metropolitankapitels, Weihbischof Engelbert Siebler, dessen an Kardinal Wetter gerichtetes Kondolenzschreiben. Kardinal Lehmann schrieb wörtlich: „Wir danken einem großen Theologen, der seit über 50 Jahren sich für eine treue Vergegenwärtigung des katholischen Glaubens einsetzte.“ Er habe viele theologische Themen, so beispielsweise die Lehre von der Schöpfung und der Erbsünde, aber auch über die Gottesmutter Maria „ungewöhnlich bereichert“.
Kardinal Leo Scheffczyk gestorben
Dec 15, 2005
Liebenswürdiger Mensch, bedeutender Theologe, frommer Priester
München, 9. Dezember 2005 (erzbistum-muenchen.de) - Der Münchner Theologieprofessor Kardinal Leo Scheffczyk ist am Donnerstagabend, 8. Dezember, kurz vor Vollendung seines 86. Lebensjahres in seiner Münchner Wohnung an den Folgen einer schweren Erkrankung gestorben. Am 21. Februar 2001, seinem 81. Geburtstag, hatte Papst Johannes Paul II. den international renommierten Theologen in das Kardinalskollegium aufgenommen. Der Papst ehrte damit einen Theologen, der sich in mehr als 1.200 Veröffentlichungen zu praktisch allen Fragen des kirchlichen Lebens profiliert geäußert hat. Kardinal Scheffczyk gehörte der geistlichen Familie „Das Werk“ (FSO) an, einer 1938 gegründeten internationalen Gemeinschaft, die mit insgesamt 10 Niederlassungen vor allem in Europa und im Heiligen Land vertreten ist und deren Münchner Niederlassung seit 1964 besteht.
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, so wie die Verantwortlichen der in zehn Ländern tätigen geistlichen Familie „Das Werk“, Pater Peter Willi FSO, und Mutter Katharina Strolz FSO, würdigten den Verstorbenen in einer gemeinsamen Todesanzeige. Scheffczyks Wirken als Priester und theologischer Lehrer sei vom Verlangen erfüllt gewesen, „zur Ehre Gottes, zum Heil der Seelen und zur Stütze des Lehramtes der Kirche die geoffenbarte Wahrheit darzulegen und zu bezeugen“. Kardinal Scheffczyk sei ein seiner schlesischen Heimat und dem Bayernland sehr verbundener liebenswürdiger Mensch gewesen, ein bedeutender und einflussreicher Lehrer der Theologie und ein frommer Priester, der die Menschen im Glauben ermutigt und bestärkt habe.
Der am 21. Februar 1920 in Beuthen, mitten im oberschlesischen Kohlerevier, geborene und aufgewachsene Scheffczyk gehörte dem Erzbistum Breslau an. Nach der Vertreibung lebte er in Bayern und wurde von Kardinal Michael Faulhaber am 29. Juni 1947 im Freisinger Dom zum Priester geweiht. In seinen Predigten finden sich oft Hinweise auf berühmte schlesische Landsleute, so die Dichter Angelus Silesius und Joseph von Eichendorff, die er gern zitierte. Als Kardinal der katholischen Weltkirche sah er sich vor allem als Vermittler von Werten, die über das rein Humanitäre hinausgehen. Wenn das Humane nicht von Kräften aus der Welt des Übernatürlichen durchwirkt und erhoben sei, so sein Fazit, drohe ihm die Selbstzerstörung. Kardinäle seien, wie sie es im Treueversprechen gegenüber dem Papst formulierten, aufgefordert, „zum Wachsen des christlichen Glaubens, der Freiheit und der Mission der Kirche beizutragen“.
Er prägte viele Seelsorger im deutschsprachigen Raum
20 Jahre lang war Leo Scheffczyk bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München als Nachfolger des berühmten Michael Schmaus Professor für Dogmatik. Als theologischer Lehrer im Priesterseminar in Königstein im Taunus, an der Universität Tübingen und zuletzt an der Universität München hat er viele Seelsorger im deutschsprachigen Raum geprägt. Der Wissenschaftler galt als Bewahrer der geistigen Autonomie der Theologie, der auch in der öffentlichen Auseinandersetzung um den katholischen Glauben und die Lehre der Kirche immer wieder offensiv Position bezog und Flagge zeigte. Ein halbes Jahrhundert habe er die Wahrheit des Glaubens der Kirche unverfälscht und mit Würde gelehrt, hatte Kardinal Wetter den Theologen zu seinem 85. Geburtstag noch im Februar dieses Jahres gewürdigt.
Der Theologe Scheffczyk hat mehr als 80 Bücher und Einzelzeitschriften, über 500 Abhandlungen und Aufsätze, rund 400 wissenschaftliche Rezensionen und zahlreiche Lexika-Artikel verfasst. Herausragende Titel sind „Dogma der Kirche – heute noch verstehbar?“, „Maria, Leitbild der Christen“, „Maria, Mutter und Gefährtin Christi“, „Katholische Glaubenswelt“ und „Christus Gottessohn“. In dem Buch „Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit“ ist ein ausführliches Gespräch mit ihm „über das Katholische und die Kirche“ dokumentiert. Scheffczyk war Mitherausgeber des Handbuchs der Dogmengeschichte, eines Standardwerkes. Von 1966 bis 1984 arbeitete er als Mitherausgeber der „Münchner Theologischen Zeitschrift“. Er war Mitglied der geisteswissenschaftlichen Sektion der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Für den Päpstlichen Rat für die Familie und für die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz wirkte er als Berater. Die Opus-Dei-Universität in Pamplona verlieh ihm 1994 unter anderem wegen seiner Beiträge zur Menschenwürde den Ehrendoktortitel. Die sechsbändige Ausgabe des ersten deutschen Marien-Lexikons, ein Standardwerk, hat er mit herausgegeben.
Seelengottesdienste, Sterberosenkranz und Beerdigung
Für den verstorbenen Kardinal Scheffczyk wird Kardinal Wetter am kommenden Mittwoch, 14. Dezember, um 10.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom ein Pontifikalrequiem zelebrieren. Bereits am Dienstagmorgen, 13. Dezember, wird der Sarg in den Münchner Liebfrauendom gebracht und aufgebahrt. Die Gläubigen sind zum stillen Gebet für den Verstorbenen eingeladen. Mitglieder der geistlichen Familie „Das Werk“ werden den ganzen Tag über eine Gebetswache im Dom halten, die um 18.30 Uhr in den Sterberosenkranz für Leo Scheffczyk mündet. Tag der Beerdigung ist der Donnerstag, 15. Dezember. In der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, Vorarlberg, wird der wie Scheffczyk aus Schlesien stammende Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, um 11.00 Uhr ein Pontifikalrequiem halten. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof der geistlichen Familie „Das Werk“ im Kloster Thalbach, Bregenz.
Ein Mann der Kirche von seltenem Format
Dec 15, 2005
Die Biografie des herausragenden Mariologen Leo Kardinal Scheffczyk weist Ähnlichkeiten mit der von Kardinal Newman auf
(DT vom 13.12.2005) Am Donnerstag wird der Münchner Dogmatiker Leo Kardinal Scheffczyk, der dieser Zeitung jahrelang als Autor verbunden war, in Bregenz beigesetzt. Auf die Frage: "Freuen Sie sich auf den Himmel?" hatte er vor zwei Jahren geantwortet: "Der Christ, dem sich im Glauben eine solche Zukunftsperspektive eröffnet, kann darüber nur tiefe geistliche Freude empfinden. Diese aber ist im irdischen Zustand eingefügt in die umfassendere Tugend der Hoffnung. Auch die Freude muss von der Hoffnung getragen und durchdrungen sein, da uns keine absolute Heilsgewissheit gegeben ist." (Entschiedener Glaube - befreiende Wahrheit. Ein Gespräch über das Katholische und die Kirche mit Peter Christoph Düren, Buttenwiesen, 2003).
Der Autor des folgenden Beitrags, ein Schüler des verstorbenen Kardinals, würdigt das theologische Werk seines Lehrers:
Am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria verstarb am vergangenen Donnerstag in seiner Wohnung in München Kardinal Leo Scheffczyk im Alter von fünfundachtzig Jahren. Kaum überschaubar ist die Fülle an wissenschaftlichen Aufsätzen und theologischen Betrachtungen, die der Gelehrte dem Mariengeheimnis im Laufe seines langen Lebens gewidmet hat. Hier sollen nur die für einen weiteren Leserkreis geschriebene Marienkunde "Maria. Mutter und Gefährtin Christi" (2003) und die von Anton Ziegenaus unter dem Titel "Die Mariengestalt im Gefüge der Theologie" (2000) zusammengestellten wichtigsten wissenschaftlichen Beiträge Scheffczyks zur Mariologie erwähnt werden. Allein die Herausgeberschaft des monumentalen achtbändigen "Marienlexikons" (1988 - 1994), zusammen mit Remigius Bäumer, hätte dem Theologen Scheffczyk einen Ehrenplatz unter den herausragenden Mariologen des zwanzigsten Jahrhunderts gesichert.
Eine Arbeit zur Marienlehre steht auch am Anfang der Universitätslaufbahn des am 21. Februar (dem Geburtstag John Henry Newmans) 1920 in Beuthen geborenen Oberschlesiers. Bei Michael Schmaus in München habilitierte sich Scheffczyk 1957 mit der Studie "Das Mariengeheimnis in Frömmigkeit und Lehre der Karolingerzeit". Der Titel macht bereits darauf aufmerksam, wie wichtig Scheffczyk auch die gelebte Marienfrömmigkeit nahm. Sowohl die theologische Reinigung der Marienfrömmigkeit als auch das Wissen um die Bedeutung der Impulse der Verehrung der Gottesmutter für die Mariendogmen kennzeichnen seine theologischen Beiträge. "Durch diese notwendige Vermittlung von Theologie und Marienfrömmigkeit hat sich Leo Scheffczyk im Bewusstsein um diese fruchtbare Spannung hohe Verdienste erworben" (Anton Ziegenaus).
Im gleichen Jahr wie Scheffczyk habilitierte sich ebenfalls bei Schmaus in München Joseph Ratzinger. Als junger Wissenschaftler begann Leo Scheffczyk seinen akademischen Weg noch im so genannten marianischen Jahrhundert der Theologie, das zwischen der 1854 definierten Unbefleckten Empfängnis und der Dogmatisierung der Aufnahme Mariens in den Himmel 1950 angesiedelt wird. Für den Verstorbenen waren diese Dogmen ein "marianischer Aufbruch" der Theologie und das Geheimnis seines Sterbetages hat er folgendermaßen gedeutet: "Diese Wahrheit meint nicht nur negativ das Bewahrtwerden vor der Erbschuld, sondern sie vertritt positiv die ursprüngliche Heiligung Marias und die Überkleidung mit der Gnade Gottes im Hinblick auf ihre Aufgabe als Mutter Gottes und durch die im voraus geschehene Zuwendung der Erlösungsfrüchte Jesu Christi."
Von Kardinal Faulhaber 1947 in Freising zum Priester geweiht, waren die Stationen des theologischen Lehrers Scheffczyk zunächst Dozentenjahre in Königstein im Taunus, dann eine erste Professur für Dogmatik an der Universität Tübingen und schließlich ab 1965 die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Bis zu seiner Emeritierung 1985 lehrte Scheffczyk in München katholische Dogmatik als Nachfolger seines Lehrers Michael Schmaus. Er war Mitherausgeber des "Handbuchs der Dogmengeschichte" und Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz (1970 - 1985). Der theologische Denker Leo Scheffczyk ist weit mehr als ein Spezialist für Mariologie. Immer hatte er die organische Ganzheit des Glaubens der Kirche, das Wesen des Katholischen im Blick. Er war, wie er selbst sagte, "von der Wirklichkeit der Catholica und ihrer Tiefe ähnlich beeindruckt, wie es Paulus seiner Gemeinde empfiehlt: ,die Länge und die Breite, die Höhe und die Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt (Eph 3, 18f)".
Bekannter und begehrter als Scheffczyk waren zumal in der nachkonziliaren Ära "kritische Theologen", die mit Gespür für medien- und publikumsgerechte Themen Aufsehen erregten. Die innere Stimmigkeit des katholischen Lehrgebäudes aus Interesse an der Wahrheit verstehen zu lernen, war wenig gefragt. Davon unbeirrt erkannte Scheffczyk angesichts der Krise von Glaube und Kirche seinen Auftrag, dem er bis zu seinem Tod in Vorlesungen, Vorträgen, Aufsätzen und Buchveröffentlichungen treu geblieben ist: Entgegen allen "auseinanderstrebenden Tendenzen so etwas wie eine ,intellektuelle Anschauung vom Katholischen zu vermitteln, in der dessen Identität dem Gläubigen bewusst werden kann. Sie ist dem Newmanschen Folgerungssinn ähnlich, der alle Gründe in einem Punkt zweifelsfreier Gewissheit sammelt und so in allen Umschwüngen des geschichtlichen Wandels maßstäblich und maßgeblich bleibt."
Das unspektakuläre Gelehrtenleben eines Hieronymus im Gehäuse war die äußere Form dieser Herkulesaufgabe. Ein ungemein scharfer Verstand und die Gabe, treffend, geschmeidig und sehr verständlich formulieren zu können, waren die Mittel zu seiner Verwirklichung. Überzeugungskraft gewann dieser Auftrag durch das bescheidene und anspruchslose Auftreten eines liebenswürdigen Priesters, der Zeit seines Lebens als Seelsorger ein Münchner Altenheim betreute.
Nicht nur im Klären des Zueinanders von Glaube und Vernunft, Kirche und moderner Welt, Tradition und Fortschritt liegen die Gemeinsamkeiten mit John Henry Newman (1801 - 1890). Es gibt darüber hinaus auch biographische Parallelen. Wie Newman wurde Leo Scheffczyk im hohen Alter vom Papst zum Kardinal ernannt. Am 21. Februar 2001, seinem 81. Geburtstag, empfing Scheffczyk aus der Hand von Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom Ring und Birett als Zeichen seiner neuen Würde. Eine Bischofsweihe schloss Scheffczyk für sich aus, denn er wollte sich "dem nun schon (seit John Henry Newman, dem 78-jährigen zum Kardinal ernannten Theologen) eingehaltenen Brauch anschließen, dass diejenigen, die als Theologen oder wegen der Theologie ernannt werden, in ihrem Stand verbleiben".
Dank seiner Beheimatung in der Gemeinschaft "Das Werk" konnte Scheffczyk den vielfältigen Beanspruchungen, die das von ihm eher zögerlich angenommene Kardinalat mit sich brachten, mit Elan und Freude bewältigen. Fünf Jahre, die ihren Höhepunkt zuletzt mit dem Tod von Johannes Paul II. und der Wahl des früheren deutschen Dogmatikprofessors und Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Joseph Ratzinger zum Papst gefunden haben, waren Kardinal Scheffczyk geschenkt, um seinen Dienst im erweiterten Horizont der Weltkirche zu versehen. Er selbst deutete - wie immer ohne sich dabei besonders herauszustellen - sein Verständnis dieser Würde konsequent als Fortsetzung seiner bisherigen Lebensaufgabe: "Damit kann ich den an der lebendigen Tradition Halt suchenden Christen vielleicht eine gewisse Hilfe bieten und in der desorientierten Zeit ein wenig Orientierung geben, um die positiven Kräfte in der um ihre Identität ringenden Kirche zu unterstützen."
Im Wappen führte der Kardinal ein Herz - wie Kardinal Newman - und sein Wahlspruch enthielt sein Lebensprogramm, das die Kirche mit der hohen Würde anerkannt und als fruchtbringend gewürdigt hat: "Den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen" (Eph 3, 8). In einer Zeit, in der Theologen in Darstellungen der kirchlichen Glaubenslehre das Wort "katholisch" bewusst vermieden haben, veröffentlichte Scheffczyk seine "Katholische Glaubenswelt. Wahrheit und Gestalt" (1977), eine Gesamtschau, die dem Leser die Schönheit der katholischen Glaubenswelt erschließt. Heilsrealismus, das personale Gegenüber in Gott und Christus und das Mysterium als Charakteristikum der katholischen Glaubensverfassung sind dabei die wesentlichen Grundprinzipien. Dem innerkirchlichen Pluralismus und der schleichenden Auflösung der Glaubenslehre unter dem Primat der vielbeschworenen Pastoral setzte Scheffczyk seine zusammen mit Anton Ziegenaus verfasste achtbändige "Katholische Dogmatik" (1996 - 2003) entgegen.
Den Gegnern eines verbindlichen Offenbarungsglaubens, die jedes Festhalten an einem Wahrheitsanspruch als intolerante Absolutsetzung des kirchlichen Machtanspruchs verurteilen, antwortete er sachlich: "Indessen beruht die Anerkennung des Dogmas auf einer freien Entscheidung des Menschen für den Glauben der Kirche. An dieser Freiheit partizipiert auch die Übernahme einer aus dem Schatz der Offenbarung erhobenen und von der Kirche vorgelegten Wahrheit, die auch immer der Vernunft entsprechend ist, selbst wenn sie die Vernunft übersteigt. Dem Vorwurf mangelt es an Verständnis für das Wesen des Glaubens, der Bindung in Freiheit bedeutet."
In dem Interview-Buch "Entschiedener Glaube - befreiende Wahrheit" (2003) ging Scheffczyk auf Fragen von Peter Christoph Düren zu allen großen Themen der Glaubenslehre ein. Ein gut lesbarer Katechismus in klassischer Frage- und Antwortform ist dabei herausgekommen. Eine vollständige Bibliographie der Veröffentlichungen des Kardinals bis 1985 enthält die Festschrift zu seinem fünfundsechzigsten Geburtstag "Veritati Catholicae" (herausgegeben von Anton Ziegenaus, Franz Courth und Philipp Schäfer) - die beeindruckende Liste der Publikationen wird auf der Homepage von Kardinal Scheffczyk bis ins Jahr 2005 lückenlos fortgesetzt.
Das Themenspektrum des mehr als achtzig Buchveröffentlichungen und über eintausend Aufsätze umfassenden Gesamtwerkes des Verstorbenen reicht von der Bibel - über die Dogmenhermeneutik, die Schöpfungslehre, die Christologie, die Ekklesiologie, das Petrusamt und das Priesteramt über die gesamte Sakramentenlehre bis zur Gnadenlehre. Gerade als Kenner der katholischen Gnadenlehre war Scheffczyk der profilierteste katholische Kritiker der umstrittenen "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre", die 1999 von Lutheranern und katholischer Kirche in Augsburg unterzeichnet wurde. Seine Verteidigung der seinshaften Realität der "geschaffenen Gnade" hat so manchem Theologen erst wieder das Wesensverständnis der Gnade nahe gebracht.
Daneben lautet der nach wie vor gültige grundsätzliche Einwand des Kardinals, der aus der Gesamtansicht des katholischen Glaubensverständnisses erwächst: Problematisch ist "die evangelische Auffassung, dass die Rechtfertigung das einzige Prinzip der Glaubenswahrheit und -wirklichkeit ist, nach dem das Ganze der christlichen Lehre auszurichten und alles andere an diesem einzigen Maßstab zu messen ist. Dem kann die katholische Kirche nicht zustimmen, weil sie sich als gottgesetzte, von Christus im Heiligen Geist geschaffene Vermittlerin der Gnade weiß, ohne welche (von Ausnahmenfällen abgesehen) Rechtfertigung gar nicht zustande kommen kann." Grundsätzlich abgelehnt hat Scheffczyk die ökumenische Zielvorgabe des so genannten "differenzierten Konsenses", weil er sie als Preisgabe des Zieles einer wirklichen Einheit durchschaut hat. In einem Aufsatz über die Konversion von John Henry Newman von 1996 hat Scheffczyk ein treffliches theologisches Profil des englischen Kardinals gezeichnet, das man ebenso gut auf ihn selbst anwenden kann:
"Bei allen Enttäuschungen, die er erfuhr, wusste er zwischen der übernatürlich-mystischen Wirklichkeit der Kirche und ihrer äußeren menschlichen Gestalt zu unterscheiden. Zugleich erschien ihm die innere Herrlichkeit der Kirche so groß, dass er sich nicht anmaßte, diese Größe einfach in die irdische Gestalt der Kirche einfassen zu können und eine Kirche sine macula et ruga heraufführen zu können. Seine Sehnsucht war größer als die begrenzte irdische Wirklichkeit der Kirche. Dass er aber nicht nachließ, das Ideal der Kirche innerhalb der irdischen Schwächen und Grenzen zu verwirklichen, macht das Format eines wirklichen Kirchenmannes aus, einer anima ecclesiastica, die auch in der gegenwärtigen Situation der Kirche Vorbild sein kann."
Autor: VON MICHAEL KARGER
In memoriam Kardinal Scheffczyk: Fortschritt braucht ein Fundament
Dec 15, 2005
Bischof Walter Mixa würdigte den verstorbenen Kardinal - K-TV überträgt live das Requiem aus Bregenz.
München (www.kath.net, 12. Dezember 2005) Der Augsburger Bischof Walter Mixa würdigte den am 8. Dezember 2005, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria verstorbenen Münchener Theologen Leo Kardinal Scheffczyk. Er „verstand es, in einer einfachen und zugleich treffsicheren Sprache die ungebrochene Glaubenslehre der Katholischen Kirche darzustellen“, erklärte Mixa.
„Er tat dies aber nicht nur in der Darlegung der gewachsenen Tradition, sondern war gleichzeitig aufgeschlossenen für jeden guten Fortschritt. Freilich musste er auch immer wieder betonen, dass nur auf dem plausiblen Fundament der Kirche ein weiterführender und ohne Traditionsbrüche vollzogener Fortschritt möglich ist.“ Er habe auch im hohen Alter „durch seine qualifizierte Vortragstätigkeit und durch überzeugende Predigten zur Weitergabe des katholischen Glaubens ganz wesentlich beigetragen“.
K-TV überträgt live
Der katholische Fernsehsender K-TV überträgt am 15. Dezember um 11 Uhr live das Requiem am Donnerstag aus der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz. Hauptzelebrant ist Joachim Kardinal Meisner aus Köln.
K-TV ändert sein Programm der laufenden Woche (Nr. 24b) und wird anstelle der Sendung über die kaiserliche Familie in der Schweiz die Predigt von S.E. Kardinal Scheffczyk über den Heiligen Josef bei der Sommerakademie in Diessen am Ammersee 2004 wiederholen.
Kardinal Scheffczyk gestorben
Dec 08, 2005
Leo Kardinal Scheffczyk ist gestorben. Dies gab Kardinal Meisner zu Beginn des Hochamtes an Mariä Empfängnis (8. Dezember) im Kölner Dom bekannt wie das "Kölner Domradio" berichtet.
München (www.kath.net, 08. Dezember 2005) Der am 21. Februar 1920 in Beuthen geborene Scheffczyk war Zeitzeuge des II. Vatikanischen Konzils, lehrte an der Münchener Universität bis zu seiner Emeritierung Dogmatik und galt als einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt.
Lebenslauf
1920: geboren am 21. Februar in Beuthen/Oberschlesien
1938-1941: Studium an der Universität Breslau
1945-1947: Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising
1947: Priesterweihe am 29. Juni in Freising
1947-1948: Kaplan in Grafing
1948: Pfarrvikar in Traunwalchen
1948-1951: Subregens im Priesterseminar Königstein/Taunus
1950: Promotion
1952-1959: Dozent an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein/Taunus
1957: Habilitation in München bei Prof. Dr. Michael Schmaus
1957-1959: Privatdozent an der Universität München Dozent an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein/Taunus
1959-1965: Ordinarius an der Universität Tübingen
1965: Berufung als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität München (Nachfolger von Professor Michael Schmaus)
1966-1984: Mitherausgeber der Münchner Theologischen Zeitschrift
1970-1985: Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz
1976: Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten
seit 1984: Herausgeber des Forum Katholische Theologie
1985: Emeritierung
1983-2001: Consultator des Päpstlichen Rats für die Familie
1994: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Opus-Dei-Universität in Pamplona
2001: Erhebung zum Kardinal durch Papst Johannes Paul II.
Mitgliedschaften
seit 1972
Institut der Görresgesellschaft für Interdisziplinäre Forschung
seit 1973
Mitglied der Pontificia Academia Mariana Internationalis
seit 1977
Mitglied der Pontificia Academia Theologica Internationalis
seit 1980
Ordentliches Mitglied der geisteswissenschaftlichen Sektion der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Entschiedener Glaube - befreiende Wahrheit
Apr 09, 2005
Ein Gespräch von Leo Cardinal Scheffczyk über das Katholische und die Kirche mit Peter Christoph Düren - Ein Pflicht-Buch für Katholiken
Weihnachten - Das Geheimnis der übergroßen Liebe Gottes
Feb 05, 2005
Kardinal Leo Scheffczyk, einer der bedeutendsten Theologen unserer Zeit, sprach mit Michael Ragg von Kirche in Not über die Verflachung und Verfälschung des Weihnachtsfestes, die Einzigartigkeit des Christentums unter den Religionen und darüber, wie man Weihnachten neu erleben kann. Das Gespräch wurde am Sonntag, 19. Dezember 2004 bei Radio Horeb und Radio Maria Österreich ausgestrahlt.
FRAGE:Herr Kardinal, häufig kann man in der Vorweihnachtszeit hören und lesen, Weihnachten sei ja eigentlich gar kein christliches Fest, das Weihnachtsfest sei viel älter als das Christentum, da habe man eben die Wintersonnenwende oder irgendeinen Sonnengott gefeiert und die Kirche habe dieses Fest einfach übernommen. Was unterscheidet denn das christliche Weihnachtsfest von seinen heidnischen Vorläufern?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Nun, wir wissen, dass das christliche Weihnachtsfest im 4. Jahrhundert in Rom in die abendländische Kirche eingeführt und auf den 25. Dezember festgelegt wurde. Dabei spielte die alte heidnische Festfeier des Sonnengottes schon eine Rolle, die als Tag des wachsenden Lichtes begangen wurde. In dem Bestreben, gegen das heidnische Brauchtum ein Gegenstück zu setzen, wurde das Erinnerungsfest an die Geburt Jesu auf diesen Tag gelegt. Dabei wurde dem heidnischen Sonnengott die biblische Bezeichnung Jesu Christi als Sonne der Gerechtigkeit entgegengestellt. Daran lässt sich ersehen, dass sich der Inhalt des christlichen Festes gegenüber dem heidnischen gänzlich neu bestimmt und wesentlich neu gefasst war. Dort im Heidentum wurde ein immer wiederkehrendes Naturgeschehen gefeiert, hier im christlichen Bereich eine einmalige geschichtliche Gottestat. Die Unterschiede sind also unübersehbar und nicht aufeinander zurückzuführen.
FRAGE:Heute steht also im Zentrum von Weihnachten Jesus Christus. Wenn jetzt aber ein außerirdischer Besucher käme, und er würde mal einen Nachmittag lang durch eine unserer Großstädte bummeln, dann müsste er zu dem Schluss kommen, an Weihnachten gehe es um einen dicken Mann mit weißem Bart und rotem Mantel, den man Weihnachtsmann nennt. Was hat dieser Weihnachtsmann mit Weihnachten zu tun?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Das angeführte Beispiel beweist die Verflachung und Verfälschung einer christlichen Wahrheit zu einer billigen Belustigungsfigur für Kinder in einer kommerzialisierten Gesellschaft. Die Vorstellung vom Weihnachtsmann leuchtet das erste Mal schon im 18. Jahrhundert auf. Sie sollte die Gestalt des Christkindes als Geschenkgeber und Gabenspender ersetzen. An diesem Detail vom Wandel des Christkindes zum Weihnachtsmann lässt sich etwas von dem vorsichgehenden dramatisch religiös-kulturellen Verweltlichungsprozess erkennen, bei dem christliche in weltliche Vorstellungen umgeprägt und damit zugleich auch belanglos und irgendwie banal werden. Für den Christen wird daran anlässlich des Weihnachtsfestes die große Aufgabe deutlich, diesen Prozess nicht als unabwendbar hinzunehmen, sondern ihm die christliche Tradition entgegenzusetzen, und sei es auch nur im Kreis der Familie und der Kinder, die eben nicht dem Weihnachtsmann, sondern Christus oder dem Christkind begegnen wollen.
FRAGE:Es gibt noch immer viele Menschen, die doch ahnen, dass Weihnachten eine religiöse Bedeutung hat. Das merkt man daran, dass an Weihnachten die Kirchen voll sind und der Besuch der Weihnachtsgottesdienste sogar noch zunimmt. Wer in die Kirche geht, hört dann die Weihnachtsgeschichte von Jesus im Stall von Bethlehem. Was ist eigentlich dran an dieser „Geschichte“?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Die an Weihnachten gefüllten Gotteshäuser sind ein Beweis dafür, dass die Weihnachtsbotschaft den Menschen noch etwas zu sagen hat, auch wenn sie sich nicht immer von ihrem inneren Kern anrühren lassen. Der Kern aber ist ein geschichtliches Ereignis, von dem in natürlicher Weise berichtet oder erzählt werden muss. Dabei ist es nicht zu umgehen, dass sich ein solcher Bericht in menschliche Darstellungs- und Ausdrucksformen kleidet, dass er in Form einer anschaulichen Geschichte erzählt und eben als Erzählung dargeboten wird. Nur erhebt diese Geschichte den Anspruch, nicht eine phantasiereiche Poesie oder Legende zu sein, sondern wirklich Geschehenes wiederzugeben, so dass wir sagen, es ist nicht eine Geschichte, sondern es ist die Geschichte der Geburt des Erlösers, des Christusereignisses, in der schlichten Form einer allgemeinverständlichen gläubigen Erzählung gehalten, die zugleich auch das Glaubensgeheimnis verkünden will.
Maria ist ein Pfeiler des Weihnachtsgeheimnisses
FRAGE:In der Weihnachtsgeschichte wird uns gesagt, dass dieser Jesus von einer Jungfrau geboren worden sei. Ist das nur ein Symbol für das Besondere an diesem Geschehen, wie das heute manche Theologen meinen, oder darf man das wörtlich nehmen?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Der Glaube der Kirche versteht die Jungfrauengeburt tatsächlich realistisch und in diesem Sinne wörtlich. Die geistgewirkte jungfräuliche Empfängnis Marias ist sogar einer der Pfeiler des Weihnachtsgeheimnisses. Bei einer Erzeugung Jesu durch Maria und Josef hätte die Christenheit kaum Grund zur Annahme eines Weihnachtswunders kommen können. Es wäre also als ein ganz natürliches Geschehen angesehen worden, bei dem dann das Neuartige, das Gnadenhafte und Göttliche dieser Gottestat nicht mehr hätte zum Vorschein kommen können. In der Jungfrauengeburt geschah eben das, was der Evangelist Johannes andeutet: dass nämlich diese Geburt nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geschah.
FRAGE:Das war wirklich eine ganz besondere Geburt, denn da ist jemand geboren, der laut Bibel von sich selbst sagt, er sei „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Nun wird Weihnachten ja auch als „Fest des Friedens“ bezeichnet und ein solcher Anspruch, wie ihn das Christentum erhebt, scheint ja geradezu in einen Kampf der Kulturen zu führen, wie ihn der islamische Fundamentalismus betreibt. Muss man heute diesen Anspruch Jesu Christi relativieren?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Mit Ihrem Hinweis bestätigen Sie, dass es sich bei der Geburt des Sohnes Gottes in der Menschheit um etwas Einzigartiges handelt, um ein abgrundtiefes Geheimnis, das den reinen Verstandesmenschen gewaltig herausfordert. Dieses Ereignis begründet auch die Einzigartigkeit des Christentums unter den Religionen. Daraus ergeben sich für das Christentum auch praktische Folgerungen, wie etwa die Verpflichtung zur Missionierung und Ausbreitung dieser einzigartigen Botschaft Christi, was dann von den Gegnern des Christentums gleich als Verletzung des Toleranzgedankens angesehen wird. Aber das Festhalten an der Gottheit Christi und der Einzigartigkeit des Christentums besagt nicht einen Anruf zum Kampf gegen die Religionen und Kulturen, sondern gerade im Namen des Gottes der Liebe und des Friedens einen Appell zum Verstehen der anderen Religionen und ihrer Anhänger. Das ist die recht verstandene Toleranz, die nicht aus Gleichgütigkeit gegenüber der Wahrheit erwächst, sondern aus der Anerkennung der Freiheit des Andersdenkenden. Sie hindert nicht die Verkündigung und Verbreitung der eigenen Wahrheit in der Mission und der Neuevangelisierung.
FRAGE:Die katholische Kirche nennt Maria die „Mutter Gottes“. Oft wird der Vorwurf laut, dadurch würde Maria zur Göttin gemacht. Was bedeutet dieser Titel?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Gegen diesen Titel hat man in alter wie in neuer Zeit den Einwand erhoben, dass er etwas Unmögliches behaupte. Denn, so sagt man, Gott kann nicht geboren werden. Aber das behauptet dieser Titel tatsächlich nicht. Er besagt vielmehr, dass der menschgewordene Sohn Gottes, weil in ihm die Einheit von Gottheit und Menschheit geschlossen und gegeben war, von einer menschlichen Mutter geboren wurde. Diese konnte dann, weil diese Einheit von Gott und Mensch in der Person gegeben war, auch wirklich als Gottesmutter bezeichnet werden. So ist der Titel Gottesmutter für Maria eine wichtige Stütze und eine neuerliche Bekräftigung des Geheimnisses der gott-menschlichen Einheit in Christus und auch eine Hilfe zur Erklärung des Weihnachtsgeheimnisses.
Der Heilige Josef – ein vorbildlicher Helfer
FRAGE:Bei der Geburt Jesu war auch der Mann Marias, Josef, dabei, dem wir ft keine so große Aufmerksamkeit schenken. Worin lag denn seine Aufgabe in dem ganzen Geschehen und worin liegt seine Bedeutung für uns heute?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK:In der gesamten Geburts- und Kindheitsgeschichte spielt auch der gesetzliche Ehemann Marias und der gesetzliche Vater Jesu, der heilige Josef, eine wichtige Rolle - sowohl in der Darstellung des Evangelisten Matthäus wie auch in der des Lukas. Freilich gehört der heilige Josef nicht in die Ordnung des inneren geheimnisvollen Vollzugs des Weihnachtsgeschehens zwischen Christus, dem Heiligen Geist und Maria hinein, sondern mehr in den Bereich der äußeren, irdisch menschlichen und geschichtlichen Vorbereitung dieses inneren Geheimnisses. Aber zur Verwirklichung eines göttlichen Geheimnisses der Geschichte gehört eben auch all das hinzu, was an menschlicher Zubereitung, an Mithilfe und Grundlegung notwendig war. Darüber hinaus kommt dem heiligen Josef auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung zu, wenn man etwa bedenkt, das er es war, der den Namen Jesus in die
Einwohnerliste des Römischen Reiches eintrug und ihm damit seinen Platz in der Weltgeschichte zuwies. In all dem erweist sich Josef auch als der erste männliche Christusgläubige, der sein ganzes Leben in den Dienst des Weihnachtsgeheimnisses stellte. So bleibt er der vorbildliche Helfer zur Verwirklichung des Weihnachtsgeheimnisses und der Weggeleiter in dieses Geheimnis hinein.
FRAGE:Zurück zu Jesus selbst. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass hier ein Gott, wie das Christentum es verkündet, als ein schwaches Baby in einem ärmlichen Stall zur Welt kommt. Das ist ja ohne wirkliches Vorbild. Wie geht das zusammen?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK:Das Weihnachtsgeheimnis ist zuletzt ein Geheimnis der übergroßen Liebe Gottes, wie es der heilige Paulus im Titusbrief ausdrückt, wenn er sagt: „Erschienen ist die Güte und Menschenliebe Gottes.“ Dabei steht im Hintergrund das Bewusstsein von der unvergleichlichen Größe Gottes und von der Geringheit, von der Armut, geradezu von der Nichtigkeit des menschlichen Geschöpfes. Aber Gott hat diese unendliche Differenz nicht gescheut. Er wollte und konnte diese Distanz kraft seiner Menschenliebe, die er schon in der Schöpfung und in der Begnadung bewies, überwinden. Dabei wollte Gott das Menschliche gleichsam an seinem tiefsten Punkt ergreifen, nämlich in der Schwäche und Bedürftigkeit eines Kindes. Vor allem der Bericht des Matthäus zeigt eine deutliche Neigung zum Armen, zum Bedrängten, zum Gefährdeten, dem Jesus vor allem verpflichtet sein wollte. Damit aber hat der Herr zugleich dem Armsein und Kindsein eine einzigartige Würde und Bedeutsamkeit zuerkannt, die wir heute, im Zeitalter der Zivilisation des Todes, als ernste Mahnung verstehen sollten.
Einheit von Barmherzigkeit und Opfer
FRAGE:In der christlichen Verkündigung ist ja gerade in den letzten Jahrzehnten die Rede vom „barmherzigen“ Gott immer stärker herausgestellt worden. Was heißt das eigentlich?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK:Die im Weihnachtswunder auftretende Liebe Gottes lässt sich in ihrer Eigenart noch genauer als göttliche „Barmherzigkeit“ bestimmen, welche speziell die Liebe Gottes gegenüber dem schwach Gewordenen, dem gefallenen Geschöpf, dem hilfsbedürftigen Menschen besagt. Es ist zutiefst die Liebe Gottes zu den Sündern, zu denen, die sich in der Sünde gegen die Hoheit und Hochheiligkeit Gottes verfehlt und sich dem Anruf Gottes versagt haben. Das aber war die Gesamtsituation der in Adam gefallen Menschheit vor der Ankunft des Versöhners und des Erlösers. Es ist bezeichnend, dass in der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums mehrere Male vom Erbarmen Gottes die Rede ist. Seinen höchsten Ausdruck findet dieses Erbarmen im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das eigentlich das Gleichnis der grenzenlosen, unerschöpflichen Sünderliebe darstellt. Sie hat im Weihnachtsereignis ihre Quelle. Sie fließt von diesem Punkt in das ganze Leben, in die Geschichte der ganzen Menschheit hinein.
FRAGE:Jesus, so verkündet es die Kirche, ist in die Welt gekommen, um uns Menschen zu „erlösen“. Aber man weiß ja heute gar nicht mehr, wovon ...
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK:Im Weihnachtsereignis erscheint Christus tatsächlich als der Retter, der Heiland, der Erlöser der Welt. Die Erlösung aber ist im Wesen und im Kern, wie das Wort schon sagt, eine Herauslösung vor allem aus der Sünde, aus dem ewigen Tod und aus der Gewalt des Bösen, auch des Bösen in Person, des Teufels. Sie ist aber zugleich auch eine Einigung des Menschen mit Gott, mit seiner Heiligkeit und mit dem göttlichen Leben der Gnade, für die wir eins werden mit Gott. Heute zeigt man allerdings für den Begriff der Erlösung, vor allem durch das Kreuz, keine große Vorliebe - wegen seiner Nähe zum Opfer und zur Sühne. Man greift deshalb lieber zu dem Begriff der Befreiung, der sich auch auf die irdischen Nöte und Bedrängnisse des Menschen ausdehnen lässt. Man sagt dann mit Betonung, Gott habe in der Erlösung den Menschen aus gänzlich freier Liebe vom tiefsten Elend befreit. Aber auch dann muss man erklären, warum die Befreiung gerade auf dem Weg des Kreuzes vor sich ging. Die Weihnachtsberichte deuten an, dass die freiwillige Hingabe an den Vater am Kreuz der Ausdruck der vollkommenen, der selbstlosesten Liebe ist. Eine größere Liebe aber hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde, erklärt uns der heilige Johannes.
Abglanz des Christuslichtes
FRAGE:In unserer Kultur steht im Weihnachtsfest nicht die Erlösung im Vordergrund. Vielmehr gilt es als das Fest der Geschenke. Passt denn, Herr Kardinal, aus kirchlicher Sicht das Schenken zum Weihnachtsfest?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Wenn man vom Kern des Weihnachtsfestes ausgeht, als der Offenbarung der Liebe Gottes in radikaler Hingabe an die menschliche Gebrechlichkeit und Armut, dann darf man das Weihnachtsgeschehen im Ganzen als ein Geschenk Gottes an die Menschheit betrachten. Das Kind in der Krippe ist die Gnade und Gabe Gottes in Person, durch sich der Mensch unermesslich beschenkt weiß. Dieses Wissen löst im Menschen natürlicherweise einen Impuls aus, von diesem Beschenktsein auch anderen mitzuteilen. Darum ist der Brauch des Schenkens und Sich-Beschenkens, das sich in neuerer Zeit gebildet hat, durchaus sinnvoll. Dieses Schenken ist ein Reflex unseres Beschenktseins durch Christus. Es ist ein Abglanz des Christuslichtes der Weihnacht. Von diesem Sinn und diesem Geist müsste auch unser Schenken beseelt sein.
FRAGE:Wenn wir diesen Sinn des Schenkens erkannt haben, was und wie sollen wir schenken, um ihm gerecht zu werden?
KARDINAL LEO SCHEFFCZYK: Bei Christen müsste das Schenken vom Geist des Christuskindes erfüllt und bestimmt sein. Diesem Geist liegt nun einmal jeder Prunk und jeder übertriebene Aufwan