Darío Cardinal Castrillón Hoyos Darío Cardinal Castrillón Hoyos
Function:
Prefect of Clergy, Roman Curia
Title:
Cardinal Deacon of SS. Nome di Maria al Foro Traiano
Birthdate:
Jul 04, 1929
Country:
Colombia
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Die alte Messe steht für die „Vielfalt des Guten“
Feb 09, 2007
Interview mit dem Präsidenten der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“

WÜRZBURG, 8. Februar 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Im Gespräch mit der „Tagespost“ äußerte sich Darío Kardinal Castrillón Hoyos, Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, zur möglichen Freigabe der alten Messe. Darüber hinaus verlieh der Kurienkardinal, der zehn Jahre lang (1996-2006) der Kongregation für den Klerus vorgestanden war, seiner Hoffnung Ausdruck, dass es zu einer Aussöhnung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft Pius X. kommen könnte.

Die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ wurde am 2. Juli 1988 von Papst Johannes Paul II. mit dem Ziel gegründet, Priestern, Seminaristen, Ordensgemeinschaften oder einzelnen Ordensleuten, die mit der von Erzbischof Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft verbunden waren, die Rückkehr in die volle kirchliche Gemeinschaft zu ermöglichen.

Worum geht es bei der Freigabe der alten Messe?

-- Kardinal Castrillón: Der Heilige Vater hat ein enormes Feingefühl für liturgische Spiritualität und möchte einen Schatz der Kirche erhalten – und zwar nicht fürs Museum, sondern als lebendiges Erbe für die Gemeinschaft, damit die Menschen, die ein Gespür für Tradition haben, in den Genuss dieses Reichtums kommen. Mich überrascht immer wieder, dass junge Menschen, die den alten Ritus zuvor nicht kannten, die Ruhe und das Mysterium der alten Messe entdecken. Es kommt darauf an, beide Riten nicht gegeneinander auszuspielen, sondern die Schönheit und Heiligkeit in beiden zu sehen.

Viele Traditionalisten klagen, dass Bischöfe das Motu proprio Ecclesia Dei kaum beachten und die alte Messe keineswegs großzügig erlauben. Ist das Indult (die Befreiung von einer ansonsten gültigen kirchlichen Rechtsnorm) eine Reaktion darauf?

-- Kardinal Castrillón: In erster Linie möchte der Papst als universaler Hirte den Gläubigen entgegenkommen, die ein Gespür für die traditionelle Liturgie haben. Er gibt dabei keinem äußeren Druck nach, auch nicht Unterschriftenlisten. Es geht um einen heiligen Ritus, den die Kirche seit mehr als tausend Jahren feiert.

Ich möchte nicht hart zu meinen bischöflichen Mitbrüdern sein, von denen sich manche gegen die Forderungen von Ecclesia Dei sträuben. Manche haben kaum Priester für die Sonntagsmessen in den Pfarreien und tun sich deswegen schwer damit, für kleine Gruppen Messen zu genehmigen. Das Motu proprio macht keine Zahlenangaben. Manche fürchten eine liturgische Spaltung. Aber der Heilige Vater hat schon als Mitglied der Kommission „Ecclesia Dei“ klar gestellt, dass die alte Messe weder schlecht ist noch spaltet, sondern für die Vielfalt des Guten steht.

Könnte das Indult neue Experimente und Formen liturgischer „Kreativität“ fördern?

-- Kardinal Castrillón: Entscheidend ist, wie die Kirche Gläubige und Priester anleitet. Denken wir an die Zehn Gebote. Obwohl sie klar formuliert sind, leben die Christen sie nicht zur Gänze. Am Dekalog ändert das nichts. Das fällt in die Verantwortung des Einzelnen.

Kardinal Ratzinger hat die alte Messe mehrfach öffentlich gefeiert. Warum hat er es seit dem Konklave nicht mehr getan?

-- Kardinal Castrillón: Ich weiß, dass der Heilige Vater den alten Ritus liebt. Über seine Entscheidungen zur persönlichen Zelebration weiß ich nichts, und ich möchte nicht darüber spekulieren.

Fördert das Indult die Ökumene „ad intra“?

-- Kardinal Castrillón: Sehen Sie es mir nach, dass ich den Begriff „Ökumene ad intra“ ablehne. Die Bischöfe, Priester und Gläubigen der Priesterbruderschaft Pius X. sind keine Schismatiker.

Erzbischof Lefèbvre hat mit der unerlaubten Bischofsweihe eine schismatische Handlung vollzogen. Daher sind die von ihm geweihten Bischöfe suspendiert und exkommuniziert. Die Priester und Gläubigen der Bruderschaft sind nicht exkommuniziert. Sie sind keine Häretiker.

Ich teile die Furcht des heiligen Hieronymus, dass Häresie zum Schisma führt und umgekehrt. Die Gefahr eines Schismas ist groß, etwa durch systematischen Ungehorsam gegenüber dem Heiligen Vater oder durch Leugnen seiner Autorität. Es geht um einen Dienst der Nächstenliebe, damit die Priesterbruderschaft die volle Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater gewinnt und die Heiligkeit der neuen Messe anerkennt.

Und die Sakramentenpastoral?

-- Kardinal Castrillón: Da sehe ich keine Probleme. Der Heilige Vater hat beim Konsistorium klar gestellt, dass die Bischöfe Taufen, Firmungen und Hochzeiten im alten Ritus genehmigen können. Was für die Eucharistie gilt, gilt auch für die anderen Sakramente.

[Das Interview führte Regina Einig; © Die Tagespost vom 8.2.2007]
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