Kardinal Wetter äußert «Trauer» über Zustand der Ökumene
Feb 24, 2005
Zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche in Bayern gibt es erhebliche Spannungen. Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, äußerte am Donnerstag «Trauer» über den Zustand der Ökumene. Er betonte, die katholische Kirche wolle sich in zentralen Fragen des Glaubens von der evangelischen Kirche «nicht unter Druck setzen und in der Öffentlichkeit als Bremser in der Ökumene hinstellen lassen». Hierbei könne es nur Fortschritte geben, wenn man sich gegenseitig respektiere.
München (ddp-bay, 24. Februar 2005). Der Kardinal betonte vor den Dekanen der Erzdiözese München und Freising, für die katholische Kirche gehe es bei der Eucharistie und beim geistlichen Amt um «die Treue zur Stiftung Christi und damit zum Ursprung des christlichen Glaubens». Er habe zwar schon sehr viele positive Erfahrungen in der Ökumene machen können. Wenn aber jetzt seitens der evangelischen Kirche in zentralen Fragen des Glaubens unrealistische Forderungen erhoben würden, habe dies «keine guten Auswirkungen».
Grund für die Kritik Wetters ist nach seinen Worten vor allem die jüngste Stellungnahme der Lutheraner in Deutschland zur Ordination und zum geistlichen Amt. Wenn Ordination letztlich nichts anderes mehr sei als ein Ordnungsfaktor, dann könne im Grunde genommen jeder Getaufte die Feier des Abendmahls leiten. Dies mache einen Wesensunterschied zum Verständnis der katholischen Priesterweihe deutlich, beeinträchtige auch die bisherigen Bemühungen um eine theologische Annäherung im Verständnis des kirchlichen Amtes und führe hinter den darüber geführten theologischen Dialog der vergangenen Jahre zurück.
Als «symptomatisch» für die gegenwärtigen Beziehungen wertete der Kardinal Äußerungen des evangelischen Landesbischofs Johannes Friedrich. Dieser habe in einem Interview unter anderem gesagt, bei den Lutheranern habe der Wortgottesdienst theologisch gesehen «ohne Wenn und Aber» den gleichen Stellenwert wie der Gottesdienst mit Abendmahl. Wetter fragte, weshalb es dann überhaupt noch ökumenische Bemühungen um eine Eucharistiegemeinschaft geben solle, wenn doch alles gleich sei. Es sei dann auch unverständlich, weshalb die Abendmahlsfrage von seiten der evangelischen Kirche ständig forciert werde.