Friedrich Cardinal Wetter Friedrich Cardinal Wetter
Function:
Archbishop of München und Freising, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Stefano al Monte Celio
Birthdate:
Feb 20, 1928
Country:
Germany
Elevated:
May 25, 1985
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German „Dass Sie fest im Glauben verwurzelt bleiben“: Letzter Hirtenbrief von Kardinal Wetter
Jan 29, 2008
Wir veröffentlichen den Hirtenbrief, mit dem sich Kardinal Friedrich Wetter als 72. Nachfolger auf dem Stuhl des heiligen Korbinian von seinen Gläubigen der Erzdiözese München und Freising verabschiedet hat.

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor 25 Jahren, am 12. Dezember 1982, hat mir mein Vorgänger auf dem Stuhl des Hl. Korbinian, Kardinal Josef Ratzinger, heute unser Heiliger Vater Papst Benedikt, den Hirtenstab überreicht und mich zur Kathedra der Erzbischöfe von München und Freising geleitet. Am kommenden Samstag, dem Fest Mariä Lichtmeß, werde ich diesen Hirtenstab an meinen Nachfolger, Ihren neuen Erzbischof Reinhard Marx, weitergeben.

Zum Abschied aus meinem Amt als Erzbischof möchte ich mich nochmals an Sie wenden, vor allem um Ihnen zu danken für den Weg, den wir durch ein Vierteljahrhundert miteinander gehen durften.

Bei der Übernahme meines Hirtenamtes vor 25 Jahren habe ich in der Frauenkirche bei der Predigt gesagt: „Ich komme nicht mit einem Programm zu Ihnen, das menschlicher Berechnung entsprungen ist. Mein Programm heißt: Jesus Christus. Alles, was ich tue, darf nur ein Ziel haben: dass Jesus selbst als der alleinige gute Hirte die Kirche von München und Freising leitet. Was ich tue, ist nur Dienst des Knechtes für den Herrn. Was von Johannes dem Täufer im Evangelium gesagt wird, gilt unvermindert auch von mir: „Ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lk, 3,16).

In der St. Pauls-Basilika in Rom zeigt ein Mosaik Christus als den Herrn in voller Größe. Zu seinen Füßen kauert eine winzige Gestalt, so klein, dass man sie meist übersieht. Es ist der Bischof von Rom, Papst Honorius III. So sehe ich auch mich. Durch mich und meinen Dienst soll Christus der Herr, als der Hirte, als das Haupt der Kirche von München und Freising in voller Größe in Erscheinung treten.

In den vergangenen 25 Jahren habe ich mich bemüht, die Menschen in unserem Erzbistum zu Christus zu führen und zu bezeugen: Gott ist Liebe. In Jesus Christus zeigt er uns sein menschliches Angesicht und schenkt uns die Liebe, die er selbst ist. Gott, der Vater, will zu uns kommen und mit seinem Sohn in uns wohnen. Er will sein göttliches Leben mit uns Menschen teilen und uns dadurch schon jetzt Frieden und Freude schenken und uns einmal im Himmel mit seiner alles Begreifen übersteigenden Liebe auf ewig glücklich machen. Mein Bestreben war es, als Ihr Bischof und 72. Nachfolger des Hl. Korbinian den mir vom Herrn übertragenen Hirtendienst getreu zu erfüllen. Ich war mir stets bewusst, dass in meinem bischöflichen Wirken Jesus Christus selbst am Werk ist. Das war einerseits eine hohe Herausforderung, dem Auftrag des Herrn gerecht zu werden, andererseits aber auch eine große Entlastung, nämlich zu wissen: das Eigentliche tut der Herr.

Darum darf ich mir heute eine wenig abwandelnd die Worte zu Eigen machen, die der Apostel Paulus an die Gemeinde zu Thessalonich geschrieben hat: „Ich habe im Vertrauen auf unseren Gott das Evangelium Gottes … freimütig und furchtlos bei euch verkündet. … Ich habe dies getan, weil Gott mir das Evangelium anvertraut hat, nicht um den Menschen, sondern nur Gott zu gefallen, der mein Herz prüft. Nie habe ich mit meinen Worten zu schmeicheln versucht, dafür ist Gott Zeuge. Ich habe keine Ehre bei den Menschen gesucht“ (vgl. 1 Thess 2,2.4-6).

Bei aller Schwachheit, die ich bei mir erfuhr, habe ich mich bemüht, meine Sendung zu erfüllen, wohl wissend, dass in meinem Hirtendienst der gute Hirt Jesus Christus mit am Werk war, um zu vollenden, was bei mir unvollkommen und bruchstückhaft geblieben ist.

Ich habe mich bemüht, mich in der Wahrnehmung meines Hirtenamtes an das Vorbild des göttlichen Hirten zu halten, der mich in das Bischofsamt berufen hat. Beim Propheten Ezechiel sagt er uns, wie er handelt: „Die verloren gegangenen Tiere ich will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist“ (Ez 34,16).

Nach diesem Vorbild wollte ich, für die mir anvertrauten Menschen sorgen, wie es recht ist, und sie auf die gute Weide führen. Es ist die beste Weide, die es gibt: Hier finden wir die beste Nahrung; eine bessere gibt es nicht.

Auf dieser Weide durfte ich Sie nähren mit Gottes Wahrheit durch sein Evangelium und mit seiner Gegenwart, die er uns in den Sakramenten schenkt. Denn in der Feier der Eucharistie wird der Herr in den heiligen Zeichen von Brot und Wein unter uns gegenwärtig und sichtbar. Das Brot, das ich Ihnen reichen durfte, ist sein Leib, ist Jesus Christus leibhaftig. In jeder Eucharistie feiern wir seinen Tod und seine Auferstehung mit ihm vor dem Angesicht des himmlischen Vaters. Das ist die dichteste Weise seiner Gegenwart und die beste Nahrung für unser Leben. Ich wäre glücklich im Wissen, dass es im Erzbistum niemanden gibt, der in diesen 25 Jahren durch mein Verschulden unterernährt geblieben wäre.

In allem, was ich getan habe, in der Leitung unseres Erzbistums, in der Verkündigung des Evangeliums, in der Feier der Eucharistie und der Sakramente, habe ich nur ein Ziel gehabt: Sie alle hineinzuführen in die Umarmung Jesu Christi, Sie hinzuführen an das Herz Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, ich danke Ihnen, dass Sie mich und meinen bischöflichen Dienst so gut und vertrauensvoll angenommen und mich mit Ihrer Zuneigung unterstützt und getragen haben. Mein Dank gilt den Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge und den Unzähligen, die sich in diesen Jahren ehrenamtlich engagiert haben. Es sind so viele, dass es mir nicht möglich ist, alle diese Gruppen zu nennen. Sie alle haben mitgeholfen, dass ich am kommenden Samstag meinem Nachfolger ein befriedetes und lebendiges Erzbistum übergeben kann.

Es waren gute, gesegnete Jahre, in denen ich Ihr Erzbischof sein durfte, wenn auch Sorge, Enttäuschung und Misserfolg nicht gefehlt haben. Das Kreuz gehört auch in das Leben eines Bischofs. Trotzdem durfte ich immer wieder gerade in der letzten Zeit erleben, welch tiefes Vertrauen zueinander in den letzten 25 Jahren gewachsen ist.

Im Rückblick auf diese Zeit mache ich mir, freilich sehr zaghaft, die Worte des Apostels Paulus zu Eigen: „Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt, so waren wir euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben; denn ihr wart uns sehr lieb geworden“ (1 Thess 2,7f.). Dass sie mir alle sehr lieb geworden sind und dass ich 25 Jahre für Sie da sein und diesen Hirtendienst für Sie tun durfte, dafür danke ich Gott von ganzem Herzen.

Ich bitte Sie, nehmen Sie Ihren neuen Erzbischof so herzlich auf, wie Sie mich aufgenommen haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie fest im Glauben verwurzelt bleiben, hoffnungsvoll dem kommenden Herrn entgegen gehen und immer mehr erfüllt werden von der Liebe, die Gott in Ihre Herzen ausgießen möge. So können wir getrost in die Zukunft gehen, weil wir uns von Gottes guter Vaterhand getragen wissen. Unsere Liebe Frau, die Mutter Jesu und unsere Mutter, möge Sie alle begleiten und beschützen!

Es segne Euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
München, am 6. Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn, 2008

[Vom Erzbischöflichen Ordinariat München veröffentlichtes Original]
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