Kardinal Wetter kritisiert Papst-Kommerz
Mar 26, 2006
Zumindest im vorläufigen Programm für den Bayern-Besuch des Papstes kommt Marktl am Inn nicht vor. Der Münchner Kardinal Wetter findet den Kommerz in dem Geburtsort von Joseph Ratzinger sowieso übertrieben.
(Netzeitung, 22. Mär 2006) Ob Papst Benedikt XVI. auf seiner bevorstehenden Deutschland-Reise auch in seinem Geburtsort Marktl am Inn Station macht, ist weiterhin offen. Im vorläufigen Besuchsprogramm, das der Münchner Kardinal Friedrich Wetter am Mittwoch vorstellte, kommt der Ort in Niederbayern jedenfalls nicht vor.
Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml, in dessen Bistum die Gemeinde liegt, betonte jedoch, dass das letzte Wort beim Papst selbst liege: «Ob er auch nach Marktl kommt, ist seine Entscheidung.» In Kirchenkreisen wurde bereits darüber spekuliert, dass das Kirchenoberhaupt einen privaten Abstecher in die Ortschaft unternehmen könnte.
Kardinal Wetter kritisierte unterdessen, dass Marktl aus dem Papst Profit schlagen wolle. «Manches, was in Marktl geschieht, ist auch nicht so, dass es der Würde und dem Amt des Papstes entspricht», sagte der Erzbischof. Man solle deshalb Marktl «nicht so in den Vordergrund spielen». Dem Papst tue man damit keinen Gefallen.
Nach Angaben von Wetter wird die vom 9. bis 14. September dauernde Reise in München beginnen und unter dem Motto «Wer glaubt, ist nie allein» stehen.
Vier-Augen-Gespräch mit Köhler
Papst Benedikt wird nach der bisherigen Planung voraussichtlich am Samstagnachmittag von Bundespräsident Horst Köhler am Münchner Flughafen empfangen. Im Anschluss ist auf ausdrücklichen Wunsch des Papsts ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Staatsoberhaupt geplant.
Voraussichtlich wird Benedikt XVI. auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu Unterredungen zusammentreffen. In seiner Heimat Bayern will Papst Benedikt seine früheren Wirkungsstätten München, Regensburg, Altötting und zum Abschluss Freising besuchen. «Die Route gestaltet sich nach seiner persönlichen Biografie», sagte Wetter.
Noch am ersten Besuchstag will sich der Papst demnach am Samstag in der Münchner Innenstadt einer großen Menschenmenge vor dem Rathaus zeigen: «Am Beginn des Besuches wird aller Voraussicht nach ein Gebet des Heiligen Vaters an der Mariensäule auf dem Münchner Marienplatz stehen», kündigte Wetter an.
Die Mariensäule stelle die «Herzmitte» des christlichen Glaubens in Bayern dar: «Hier hat Kardinal Ratzinger die Patrona Bavaria, die Schutzfrau Bayerns angerufen, als er aus dem Amt des Erzbischofs von München und Freising in die Aufgabe des Präfekten der Römischen Glaubenskongregation wechselte», so Wetter.
Festgottesdienst in München
Am Sonntagmorgen will der Papst ab 9:30 Uhr auf dem Münchner Messegelände einen Festgottesdienst mit Eucharistiefeier halten, zu dem weit über hunderttausend Gläubige erwartet werden. Nach Angaben des Bistums ist die Nachfrage nach Karten bereits jetzt sehr groß.
Zu einem weiteren Großgottesdienst im Marien-Wallfahrtsort Altötting werden 50.000 Gläubige erwartet und für die Messe auf einem Freigelände in Regensburg rund 300.000 Menschen aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei.
Voraussichtlich am vorletzten Tag will der Papst einen rein privaten Tag in Regensburg verbringen, um seinen Bruder Georg Ratzinger zu treffen und das Grab seiner Eltern zu besuchen. «Wer den Heiligen Vater kennt, der spürt und weiß, dass er nicht vergessen hat ein Mensch zu sein», sagte Wetter.
Er warb eindringlich dafür, dass der 78-jährige Papst «einfach mal an diesem Tag allein sein kann». Dieser Teil des Besuchs solle deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, lediglich ein päpstlicher Fotograf und ein Team des Vatikan-Fernsehens sollen einige Aufnahmen machen dürfen und allen Medien zur Verfügung stellen.
Das endgültige Programm wird laut dem Kardinal in vier Wochen nach persönlicher Zustimmung des Papstes feststehen. Der päpstliche Reisemarschall Alberto Gasbarri habe bereits vergangene Woche die Route abgereist und die geplanten Stationen mit den kirchlichen und staatlichen Stellen erörtert.