Kardinal fällt Bischof in den Rücken
Nov 24, 2005
Der bayerische Kardinal Wetter dementierte, daß es eine „Bischofsfront“ gegen den Regensburger Oberhirten gebe. Gleichzeitig fand er über die Medien sehr klare Worte gegen seinen Mitbruder.
(kreuz.net, 16. November 2005) Der Kardinalerzbischof von München und Freising Friedrich Wetter distanzierte sich am Mittwoch von Medienberichten, wonach es eine „Bischofsfront“ gegen Mons. Gerhard Ludwig Müller von Regensburg gebe.
Auslöser einer entsprechenden Berichterstattung war die Kritik von Kardinal Wetter an der Auflösung des Diözesanrates und des Dekanatsrates im Nachbarbistum Regensburg.
Regensburg befindet sich rund 100 Kilometer nordöstlich von München.
Anstelle des bislang gewählten Diözesanrates gibt es in Regensburg nun einen Diözesanpastoralrat. Dessen Mitglieder – zwei Drittel Laien – werden vom Bischof ernannt. Gleichzeitig installierte Mons. Müller ein Diözesankomitee, das aus gewählten Vertretern der Verbände und geistlichen Gemeinschaften besteht.
Bereits im Vorfeld der Rätereform – zum Abschluß der diesjährigen Herbstvollversammlung der bayerischen Bischofskonferenz vor einer Woche – distanzierte sich Kardinal Wetter von den Veränderungen im Bistum Regensburg.
Er – Kardinal Wetter – verwahre sich aber gegen Interpretationen der Presse, wonach es eine „Bischofsfront“ gegen Mons. Müller gebe.
Im selben Atemzug distanzierte sich der Kirchenfürst jedoch erneut von den Veränderungen in Regensburg.
„Der Kardinal wird falsch interpretiert, wenn der Schluß gezogen wird, er halte den jetzt in Regensburg vollzogenen Schritt für richtig“, erklärte der Pressesprecher des Kirchenfürsten.
Kardinal Wetter bedauere, daß Bischof Müller bei der Herbstkonferenz der bayerischen Bischöfe vor wenigen Tage keine näheren Angaben gemacht habe.
Wie jetzt bekannt wurde, bat Kardinal Wetter seinen Mitbruder in Regensburg noch unmittelbar vor der Pressekonferenz am Dienstag – bei der die neuen Regelungen veröffentlicht wurden – „keine einseitige Interpretation der Veränderungen zu geben“:
Bischof Müller solle nicht den Eindruck erwecken, als seien allein diese eine zeitgerechte und zukunftsweisende Gestalt der Zusammenarbeit von Priestern und Laien.
Das Bischöfliche Sekretariat Regensburg hatte zuvor an alle Pfarreien des Bistums eine Mitteilung über die geplante Räteform geschickt.
Diese lasse die Interpretation zu, als ob diejenigen, die an den durch demokratische Wahlen legitimierten Katholikenräten festhielten, „traditionalistisch an alten Strukturen“ klebten während in Regensburg jetzt eine „Modernisierung der Rätearbeit“ vorgenommen worden sei – zitiert der Pressesprecher von Kardinal Wetter aus der Mitteilung.
Dem Kardinal liege sehr daran, „daß gute und treue Katholiken, die hilfsbereit und dienstbereit sind, nicht demotiviert und in die Resignation gedrängt werden“.