Kardinal Wetter geht auf Distanz zu Bischof Müller
Nov 24, 2005
Bischof Gerhard Ludwig Müller gerät nun auch innerkirchlich unter Druck, weil er die Rechte der Laiengremien beschnitten hat. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter ließ am Mittwoch mitteilen, ihm liege daran, dass "gute und treue Katholiken, die hilfsbereit und dienstbereit sind, nicht demotiviert und in die Resignation gedrängt werden".
Regensburg. (dpa, 17.11.2005) Bischofsweihe im Regensburger Dom vor fast genau drei Jahren: Kardinal Friedrich Wetter legt die Hände auf den Kopf des neuen Bischofs. Links Kardinal Lehmann. (Bild: Witt)
Wetter bedauert, dass Müller bei der Herbstkonferenz der bayerischen Bischöfe in der vorigen Woche seine Pläne nicht vorgestellt habe. Der Kardinal verwahre sich dagegen, ihn "als ausdrücklichen Befürworter für die im Alleingang vorgenommenen Veränderungen im Bistum Regensburg zu vereinnahmen", so ein Sprecher Wetters.
Verstoß gegen Synode
Massive Kritik äußerte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an der Abschaffung des Diözesanrates: "Die unverzichtbare und strukturell gesicherte Zusammenarbeit von Klerikern, Ordensleuten und Laien wird faktisch zerschlagen", erklärte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer. Diözesanräte seien rechtlich gesicherte Gremien, in denen sich katholische Laien frei zusammenschließen. Die Neuordnung im Bistum Regensburg sei "in Deutschland ohne Beispiel".
Die ohne triftige Gründe und ohne Anhörung der betroffenen Gremien vorgenommene Neuordnung stelle "eine nicht hinnehmbare Rechtsverletzung" dar. Bischof Müller verstoße gegen die gemeinsamen Beschlüsse der deutschen Bistümer auf der Würzburger Synode in den 70er Jahren.
Krisensitzung geplant
Unterdessen planen bisherige Mitglieder des von Müller aufgelösten Diözesanrates eine Krisensitzung zur Entwicklung der Laienmitarbeit in der Diözese Regensburg. "Es ist offenkundig, dass Frauen und Männer, die viele Jahre mit großem Engagement ehrenamtlich in der Kirche tätig waren, nicht mehr erwünscht sind", sagte der bisherige Vorsitzende des Diözesanrates, Fritz Wallner.