Kardinal Wetter ruft "Jahr der Priester- und Ordensberufe" aus
Nov 18, 2005
Am Christkönigssonntag, dem letzten Sonntag im Jahreskreis, wird im Erzbistum München und Freising ein "Jahr der Priester- und Ordensberufe" eröffnet werden.
MÜNCHEN, 8. November 2005 (ZENIT.org).- Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter hat dieses besondere Jahr, das unter dem Motto "Vom Herrn gerufen" steht, deshalb ausgerufen, weil er die Gläubigen neu daran erinnern will, wie unverzichtbar gerade in der heutigen Zeit Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen für die Kirche sind und dass jeder für die Schaffung eines Klimas mitverantwortlich ist, in dem eine geistliche Berufung gehört und angenommen werden kann.
"Jeder geistliche Beruf ist ein Geschenk Gottes für die Kirche, aber auch für den Berufenen selbst", erklärt Kardinal Wetter in seinem am Freitag veröffentlichten Hirtenbrief zum "Jahr der Priester- und Ordensberufe" im Erzbistum München und Freising, und er ruft in diesem Zusammenhang die Worte Papst Benedikts XVI. bei dessen Amtseinführung ins Gedächtnis: "Wer Christus eintreten lässt, verliert nichts, gar nichts – absolut nichts von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, nur in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens weit. Nur in dieser Freundschaft erschließen sich wirklich die großen Möglichkeiten des Menschseins. Nur in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist."
Aufgrund des Rückgangs der Priester- und Ordensberufungen sei der "geistliche Stand" als ganzer betroffen, warnt Kardinal Wetter. "Darum ist es ein Gebot der Stunde, unseren Pfarrgemeinden und Familien und nicht zuletzt den jungen Christen erneut bewusst zu machen, wie wichtig der 'geistliche Stand' für unsere Kirche ist und wie erfüllend es für den Einzelnen ist, Priester zu werden oder in einen Orden einzutreten." Aus diesem Grund sei nach dem "Jahr der Eucharistie" dieses besondere Jahr ausgerufen worden. "Inständig bitte ich Sie alle, sich dieses große Anliegen zu Eigen zu machen."
Manchmal werde der Ruf zum Priestertum oder zum Ordensleben "als leiser, immer wiederkehrender, ja vielleicht zuerst beunruhigender Gedanke" erlebt, der nicht selten bereits gefasste Lebensplanungen durchkreuze. "Die Antwort müssen die Berufenen selbst geben, und zwar mit ihrer Liebe. Jesus ruft keine Funktionäre, sondern Nachfolger, die sich mit ihrem ganzen Leben in seinen Dienst nehmen lassen. Darum müssen die Berufenen mit einer Liebe antworten, die kein Warum kennt, so sagte der Heilige Vater beim Weltjugendtag vor den Priesteramtskandidaten."
Damit der Ruf Gottes nicht ungehört bleibe und es dem Volk Gottes nicht an Priestern und Ordensleuten fehle, dafür sei jeder Gläubige mitverantwortlich, hob der Kardinal hervor. Jeder sei gefordert, "damit geistliche Berufe nicht im Keim erstickt werden", präzisierte er.
"Ermutigen Sie junge Menschen, auf den Ruf Gottes zu hören und ihm zu folgen. Vor allem durch unser Gebet in den Familien, in den Pfarrgemeinden und kirchlichen Gemeinschaften tragen wir bei zu einem Klima, das geistliche Berufe gedeihen lässt. Menschen, die einer solchen Berufung zum Priestertum oder zum geweihten Leben folgen wollen, sollen spüren, dass sie von der Liebe und dem Gebet ihrer Brüder und Schwestern in Christus getragen sind."
Während des "Jahres der Berufung", das bis zum 20. November 2006, dem Festtag des heiligen Korbinian, dauern wird, soll an allen Sonn- und Feiertagen im ganzen Erzbistum in den Fürbitten um Priester- und Ordensberufe gebetet werden.
"Ich bitte Sie, pflegen Sie in Ihrer Pfarrei die Anbetung vor dem Allerheiligsten, besonders in der Heiligen Stunde vor dem Herz-Jesu-Freitag", heißt es im Hirtenbrief, der am Wochenende in allen Münchner Kirchen verlesen wurde. "Überlegen Sie im Pfarrgemeinderat und in den verschiedenen kirchlichen Gruppierungen, was Sie tun können, um Priester- und Ordensberufe zu fördern. Vor allem bitte ich Sie, ermutigen Sie junge Menschen, auf den Ruf Gottes zu hören und ihm zu folgen. Die jungen Menschen lade ich ein, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen."