"Die Familie ist die Arena, in der die göttlichen Geheimnisse gelebt werden"
Sept 12, 2006
Hirtenbrief zum Thema Ehe und Familie
THIRUVANANTHAPURAM, 23. August 2006 (ZENIT.org).- In einem Hirtenbrief, der im vergangenen Monat in allen Kirchen des indischen Bundesstaates Kerala verlesen wurde, weist Varkey Kardinal Vithayathil, Großerzbischof von Ernakulam-Angemaly für die Gläubigen des syro-malabarischen Ritus, auf die lebensnotwendige Bedeutung der Familie hin.
Diese kleinste und zugleich grundlegendste Zelle von Kirche und Gesellschaft stehe heute neuen Herausforderungen gegenüber, den Folgen einer "Kultur des Todes", die sich durch einen verzerrten Blick auf das Leben und die Konsumgesellschaft auszeichne und das Familienleben und die Familienbande beeinträchtige.
Der 79-jährige Kardinal, der den Redemptoristen angehört, weist in seinem Schreiben darauf hin, dass die Geburtenrate in Europa derart niedrig sei, dass das Verhältnis von Rentnern zu Berufstätigen, das 2004 eins zu vier betrug, nach jüngsten Hochrechnungen im Jahre 2050 eins zu eins betragen wird: Die Hälfte der Bevölkerung werde sich dann im Rentenalter befinden.
Der Vorsitzende der Bischofssynode der syro-malabarischen Kirche erklärt zudem, dass sogar in der Familie immer mehr die Tendenz erkennbar sei, die anderen als "Beute zur Befriedigung unserer Wünsche und als Mittel unserer Vergnügen" zu benutzen. In diesem Zusammenhang kommt er auf die erste und bisher einzige Enzyklika Benedikts XVI. zu sprechen, die ausgehend von den Worten des ersten Johannesbriefs, "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,10), auch die Heiligkeit der Sexualität behandelt.
Der Heilige Vater sehe die Sexualität, die in die Logik der sich selbst hingebenden Liebe eingebunden ist, als einen "Ausgang des Menschen aus dem Gefängnis der Selbstsucht zu einem Zustand der Befreiung hin". In der Sexualität habe Gott die Liebe und die Zeugung von Kindern zusammengelegt. Der Mensch werde somit durch die Sexualität, diese "Kraft der aufrichtigen Liebe", zu einem Mitarbeiter Gottes in der Schöpfung.
Vielerorts würden Kinder allerdings nicht als die "Erfüllung der Zukunft von Mann und Frau" betrachtet, sondern als Hindernis für ein Leben, das nach Vergnügung trachtet, beklagt der Kardinal. Verantwortliche Vater- und Mutterschaft besage, dass diejenigen, die über "ausreichende Mittel und eine normale Gesundheit" verfügen, auch mehr Kinder haben sollten. Deshalb könne ihre "Entscheidung, keine Kinder zu haben", gegenüber der Gesellschaft als Ungerechtigkeit und auch als Sünde betrachtet werden.
Die Feier der heiligen Eucharistie, das Familiengebet, die Betrachtung der Heiligen Schrift und der Empfang der Sakramente sieht Kardinal Vithayathil als die "Kraft spendende Speise" an, um alle Herausforderungen zu bewältigen.
"Durch die Teilnahme an der Eucharistie können die Ehepartner ihre Liebe und Einheit erneuern. Durch die Erinnerung an die großen Geheimnisse des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu in der Eucharistie wird es ihnen möglich, die Leiden, Versuchungen, Enttäuschungen und Fehlschläge ihres Lebens zu überwinden. Die familiären Nöte und Sorgen werden ihnen dann in einem Kontext der Liebe den wahren Frieden und die wahre Freude der Auferstehung bringen. Durch die Teilnahme an der Eucharistiefeier und den Empfang der Sakramente werden Mann und Frau zur aufopfernden Liebe befähigt. Erinnern wir uns an die Worte Jesus: 'Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reicht Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen' (Joh 15,5)."
In der Nachfolge Christi werde das Familienleben schließlich zu einem "Leben der Hingabe", zu einer "heiligen Feier, in der jeder seinen Leib und sein Blut mit den anderen teilt".