Vatikan gratuliert Hindus und erinnert sie an Gandhis Gewaltlosigkeit
Oct 29, 2008
Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Tauran, sendet Botschaft zum Diwali-Fest
atikanstadt, 28.10.08 (KAP) Der Vatikan hat den Hindus zu ihrem Lichterfest Diwali gratuliert. In seiner am Dienstag veröffentlichten traditionellen Botschaft ruft der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, das Prinzip der Gewaltlosigkeit in Erinnerung, das beiden Religionen zu eigen sei.
Ohne die jüngsten Übergriffe radikaler Hindus auf Christen im indischen Bundesstaat Orissa zu nennen, betonte Tauran, Religionen würden oft für die Übel der Gesellschaft verantwortlich gemacht. "Wir wissen aber, dass es vielmehr die Manipulation von Religion ist, die, entgegen ihren fundamentalen Prinzipien, zu so vielen Formen von Gewalt verwandt wird", so der Kurienkardinal.
Der vatikanische Dialog-Beauftragte verwies auf die christliche Bergpredigt, die zur Feindesliebe aufrufe, ebenso wie auf Mahatma Gandhi, den "Vater der indischen Nation". Dieser habe erkannt, dass Gewaltlosigkeit eine der wichtigsten Lehren des Hinduismus sei. "Auge um Auge, und bald ist die ganze Welt blind", zitierte Tauran den Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung.
Der Vatikan-Vertreter erläuterte in seiner Botschaft, dass Gewaltlosigkeit "nicht ein bloßes taktisches Manöver" sei. Es sei vielmehr die Haltung eines Menschen, der so überzeugt von Gottes Liebe und Gottes Macht sei, "dass er sich nicht fürchtet, dem Bösen mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit zu begegnen".
Tauran rief Hindus, Christen und die Anhänger aller Religionen auf, im Austausch miteinander die Heiligkeit des Lebens zu schützen, das Gute für die Armen und Niedrigen der Gesellschaft zu suchen und die Würde der menschlichen Person ohne Ansehen von Rasse oder Kaste zu suchen. "Lasst uns als Hindus und Christen, gerade in der derzeitigen Situation, von einer Liebe ohne Vorbehalt geleitet sein, in der Überzeugung, dass Gewaltlosigkeit der einzige Weg ist, eine globale Gesellschaft aufzubauen, die mitfühlender, gerechter und fürsorglicher ist", so der Vatikan-Appell.
Das Diwali-Fest feiert unter anderem die Überwindung des Todes und des Bösen durch das Leben und das Licht. Es wird nach dem Mondkalender berechnet und wurde in diesem Jahr von vielen Hindus an diesem Dienstag begangen.