Jean-Louis Pierre Cardinal Tauran Jean-Louis Pierre Cardinal Tauran
Function:
Archivist of Vatican Secret Archives, Roman Curia
Title:
Cardinal Deacon of St. Apollinaris alle Terme Neroniane-Alessandrine
Birthdate:
Apr 05, 1943
Country:
France
Elevated:
Oct 21, 2003
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Taurans Aufgabe
Aug 16, 2008
Wenn Jean-Louis Kardinal Tauran Reden oder Vorträge hält, dann wartet der vatikanische Spitzendiplomat immer wieder mit geschliffenen Formulierungen auf. Seit fast einem Jahr ist der 65-jährige Franzose aus Bordeaux Präsident des Päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog, der bei seiner Gründung 1964 noch „Sekretariat für die Nichtglaubenden“ hieß.

(Rheinischer Merkur, 14.08.2008) 13 Jahre war Tauran päpstlicher „Außenminister“, danach stand er an der Spitze des Vatikanischen Geheimarchivs und der Apostolischen Bibliothek.

Interreligiöser Dialog – eine Gnade oder eine Gefahr? Beides sei der Fall, sagte der Kardinal kürzlich im norditalienischen Brescia bei einer Veranstaltung über die multikulturelle Gesellschaft von heute. Dialog sei eine Gnade, weil Gläubige sich so zusammen daran erinnern könnten, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe. Die Gefahr bestehe in Identitätskrisen, wenn nämlich bei einem der Dialogpartner diese Heilsbotschaft im täglichen Leben nicht umgesetzt werde. Interreligiöser Dialog sei also auch „ein ständiger Appell zur persönlichen Einkehr“. Viel könnten Christen von orientalischen Religionen aus deren Praxis der Meditation und Askese lernen: „Umgekehrt können Buddhisten und Muslime von uns lernen, wie sich aus Religion konkrete Folgen für das Leben in der Gesellschaft ableiten lassen.“ Heute hätten gerade in europäischen Ländern dank der vielen Zuwanderer schon Kita-Kinder Gelegenheit zum Abgucken. Interreligiöser Dialog sei ein Zeichen von Reife, betonte Kardinal Tauran und zitierte in dem Zusammenhang Passagen aus der Regensburger Vorlesung Benedikts XVI., dass es gegen die Natur sei, Glaube mit Gewalt aufzwingen zu wollen. Tauran greift jene Rede vom September 2006 generell gern auf: „Der Papst hat klargestellt, was er sagen wollte, und die Missverständnisse sind inzwischen überwunden.“ Gerade die dynamische Entwicklung des katholisch-muslimischen Dialogs scheint ihm recht zu geben. Vom 4. bis 6. November erfährt dieser einen ersten Höhepunkt. 24 katholische und 24 muslimische Religionsvertreter treffen sich in Rom zum Dialog, der mit einer Papstaudienz enden wird.

Die Islamvertreter gehören zu den 138 Gelehrten, die im Oktober vergangenen Jahres einen Brief an Benedikt XVI. und andere christliche Religionsführer mit der Aufforderung zum Dialog gesandt hatten. Sie wollten damit nicht zuletzt das durch die Terrorakte vom 11. September 2001 verzerrte Bild ihrer Religion wieder zurechtrücken. Auf Initiative von König Abdullah von Saudi-Arabien – er war im November zur Papstaudienz in Rom – kam es in diesem Juli in Madrid schon zu einem bedeutenden Treffen der Religionen, bei dem die Juden nun einbezogen waren. „Eine mutige Initiative“, sagt Kardinal Tauran, der selbst daran teilgenommen hat.
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