Edmund Casimir Cardinal Szoka Edmund Casimir Cardinal Szoka
Function:
President of Governatorate of Vatican City State, Roman Curia
Title:
Cardinal Priest of Ss Andrea e Gregorio al Monte Celio
Birthdate:
Sept 14, 1927
Country:
USA
Elevated:
Jun 28, 1988
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Religion und Rendite
Apr 26, 2005
Der Vatikanstaat ist ein Zentrum des Glaubens und der Geschäfte - Doch die Kassen sind leer, der Heilige Stuhl muß verstärkt investieren

(Berliner Morgenpost, 25.4.05) Rom - Das beste Perlhuhn der Stadt gibt es in Rom beim Papst. Im Supermarkt des Vatikans, erste Kreuzung rechts hinter der Porta Sant' Anna. Auch der Fisch, der hier angeboten wird, ist besonders frisch. Die Milch kommt direkt aus den Fattorie Pontificie, der päpstlichen Molkerei.

Wer allerdings hier einkaufen will, und das zu einem unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis, muß Mitarbeiter des Vatikans sein. So verlangt es der italienische Staat, denn das 0,44 Quadratkilometer große Territorium des Stadtstaates Vatikan ist steuerfreies Gebiet, mitten in Rom.

"Wer einen Ausweis vorweisen kann, darf die Schweizergarden passieren", sagt Kardinal Edmund Szoka. Er ist der Gouverneur des Stadtstaates Vatikan. Der polnischstämmige US-Kardinal fungiert als eine Art Bürgermeister. Die Umsätze des Supermarktes, ebenso wie die Einnahmen der Vatikantankstelle, der Apotheke, des Bekleidungsgeschäftes kommen in die von ihm verwaltete Stadtkasse. Und die ist leer.

Im Jahr 2003 lagen die Ausgaben des Vatikansstaats um 8,8 Mio. Euro über den Einnahmen in Höhe von 149,9 Mio. Euro. Die Kosten für die 1534 Angestellten des Stadtstaates, darunter auch 63 Gärtner, ebenso wie die Aufwendungen für Restaurierungsarbeiten und den Sender Radio Vatikan ließen sich nicht aus den Erlösen der Geschäfte, der Vatikanischen Museen und der Euromünzen-Serie decken.

Schlechter noch sieht die getrennt geführte Bilanz des Heiligen Stuhls aus, der Zentralverwaltung der katholischen Kirche. Die Ausgaben für neun Kongregationen, drei Tribunale, elf päpstlichen Konzile und 118 päpstliche Vertretungen weltweit waren 2003 um 9,5 Mio. Euro höher als die Einnahmen von gut 200 Mio. Euro aus Steuern, Immobilienbesitz und Spenden. Weltweit geht die Kollekte vom 29. Juni, dem Fest der Heiligen Petrus und Paulus, oder dem Sonntag davor beziehungsweise danach als "Peterspfennig" an den Papst.

Um die Kosten in den Griff zu bekommen, hat die Kurie die Unternehmensberatung Ernst & Young engagiert. Die Folge war ein Sparprogramm. Überstunden wurden gestrichen, Reisebudgets gekürzt, sowohl in der Zentrale in Rom als auch in den autonom verwalteten Bistümern und Gemeinden weltweit. Was die tatsächliche Höhe des Vermögens angeht, gehen die Schätzungen von 1,2 Mrd. Euro bis mehr als zwölf Mrd. Euro. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht. Umstritten ist etwa, ob die Kunstschätze der Vatikanischen Museen bilanziert werden können und welcher Wert hier anzusetzen wäre.

Als souveräner Staat innerhalb Italiens beansprucht der Vatikan das Recht, seine Finanzgeschäfte abgeschirmt von Schweizer Gardisten abzuwickeln. Anfang der 90er Jahre haben spürbare Bemühungen eingesetzt, die über zweitausend Jahre gewachsene Organisationsstruktur zu vereinfachen.

Die Verwaltung der Vermögenswerte ruht auf vier Säulen: Der Präfektur für wirtschaftliche Angelegenheiten steht der "Finanzminister" der Weltkirche vor, Kardinal Sergio Sebastiani. Als Gouverneur des Stadtstaates Vatikan ist Kardinal Edmund Szoka für Einnahmen und Ausgaben auf dem Territorium zuständig. Die Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhles (Apsa) leitet Kardinal Attilio Nicora. Über die Apsa werden die Gehälter gezahlt und hier wird über Investitionen entschieden.

Als vierte Säule wurde das Institut für Religiöse Werke (IOR) 1942 von Papst Pius XII. gegründet. Die Bank wird von einem weltlichen Manager geführt, von dem Bankier Angelo Caloia, und von einer Kardinalskommission kontrolliert. Eigentümer ist der Papst, der auch Anspruch auf die IOR-Gewinne hat.

Seit Anfang der 90er Jahre werden die vatikanischen Haushaltsberichte veröffentlicht. Doch auch dies erlaubt nur einen sehr eingeschränkten Blick auf die Aktivitäten der Investmentkardinäle. In der Bilanz heißt es, daß mit Anleihe- und Aktiengeschäften im Jahr 2002 immerhin 16 Mio. Euro Verlust gemacht wurden; im Jahr 2003 kam ein Zehn-Millionen-Euro-Minus hinzu.

Hier endet die Transparenz. Welche Unternehmen genau von den Kirchengeldern profitieren und welche offenbar nicht die gewünschte Leistung erzielt haben, ist Staatsgeheimnis. Die Rede ist von konservativen Anlagen in Dollar und von Goldreserven in den USA. Derweil drängen außenstehende Berater die Kirche, aggressiver zu investieren, um ihre Finanzsituation zu verbessern. Um an Kapital zu kommen, könnte etwa der Immobilienbesitz beliehen werden.

Eine entscheidende Rolle würde dabei dem IOR zufallen. Nach den Verwicklungen in den Finanzskandal um den Zusammenbruch der Banco Ambrosiano hat IOR-Manager Caloia seit 1990 einen Reformprozeß vorangetrieben.

Anfang der 80er Jahre war das IOR verdächtigt worden, Verbindungen zu dem ermordeten Ambrosiano-Präsident Roberto Calvi und dem Mafia-Geldwäscher Michele Sindona zu unterhalten. Der als "Bankier-Gottes" in die Geschichte eingegangene US-Kardinal Paul Marcinkus hatte die Bank derart heruntergewirtschaftet, daß sein Nachfolger Kardinal Agostino Casaroli einer "freiwilligen Ausgleichszahlung" in Höhe von 224 Mio. Dollar zustimmte, um die Gläubiger zur beruhigen.

Heute beschäftigt die Bank 120 Mitarbeiter. Zu ihren rund 10 000 Kunden gehören Diözesen, Privatunternehmen mit religiösen Anliegen und vor allem Frauenorden. Experten wie Sandro Magister, der "Vaticanista" des italienischen Wochenmagazins "L'Espresso", weisen darauf hin, wie gut das IOR in der römischen Finanzszene vernetzt ist. Rat holt sich Caloia bei einer Gruppe von Top-Finanzexperten, die achtmal im Jahr nach Rom reisen. Dazu gehören neben dem Deutschen Theodor E. Pietzcker, früher Direktor der Deutschen Bank in Essen, die beiden ehemaligen UBS-Präsidenten Philippe de Weck und Robert Studer.

Sie haben die vatikanischen Bankiers auf Effizienz getrimmt. "Ich muß vorsichtig sein, weil es nicht mein Geld ist, sondern das des Heiligen Stuhls", sagte IOR-Manager Caloia vergangenes Jahr dem Journalisten Giancarlo Galli für dessen Buch über die "weiße Finanz". Persönlich würde er forscher investieren. Diese Entscheidung obliegt nun Papst Benedikt XVI.
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