Angelo Cardinal Sodano Angelo Cardinal Sodano
Function:
Former Secretary of State, Roman Curia
Title:
Cardinal Bishop of Suburbicarian See of Ostia
Birthdate:
Nov 23, 1927
Country:
Italy
Elevated:
Jun 28, 1991
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Predigt von Kardinal Angelo Sodano bei der Messe für Papst Johannes Paul II. am Barmherzigkeitssonntag
Apr 05, 2005
Wir veröffentlichen den Wortlaut der Predigt von Kardinal Angelo Sodano anlässlich der Heiligen Messe für den am 2. April verstorbenen Heiligen Vater. Sie wurde am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit vor 160.000 Gläubigen aus aller Welt auf dem Petersplatz in Rom gefeiert.

Sehr geehrte Konzelebranten,
verehrte Autoritäten,
Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Gesang des Hallelujas klingt heute feierlicher denn je.

Wir feiern den zweiten Ostersonntag. Es ist der Sonntag "in albis", das Fest der weißen Gewänder, die an unsere Taufe erinnern. Es ist der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, die wir im Psalm 118 besungen haben: "Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig."

Es ist wahr. Ein trauriges Ereignis hat uns erschüttert: Unser Vater und Hirte, Johannes Paul II., hat uns verlassen. Aber diesen mehr als 26 Jahren hat er uns eingeladen, auf Christus zu schauen, denn er ist der einzige Grund unserer Hoffnung.

Über 26 Jahre lang hat Johannes Paul II. das Evangelium der christlichen Hoffnung an alle Plätze der Welt getragen. Auf diese Weise hat er alle Menschen gelehrt, dass unser Tod nur der Übergang zu unserer Heimat im Himmel ist. Dort liegt unsere ewige Heimat, wo uns Gott, unser Vater, erwartet.

Der Schmerz des Christen verwandelt sich sofort in eine tiefe Gelassenheit. Das ist eine Folge unseres Glaubens an den, der gesagt hat: "Ich bin die Auferstehung. Wer der an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt wird auf ewig nicht sterben" (Joh 11,25-26).

Natürlich lässt uns die Zuneigung zu denen, die wir lieben und von denen wir uns trennen müssen, zunächst einmal Tränen der Trauer vergießen. Aber auch heute behält der Aufruf, den der Apostel Paulus an die Christen in Thessaloniki richtet, seine Aktualität. Er ermutigt sie, nicht zu trauen "wie die, die keine Hoffnung haben", "sicut coeteri, qui spem non habent" (1 Thes 4,13).

Schwestern und Brüder, unser Glaube lädt uns ein, den Kopf zu erheben und den Blick nach vorn zu richten, ja nach oben! Während wir heute den Papst beweinen, der uns verlassen hat, öffnen wir so unser Herz für die Schau unserer ewigen Bestimmung.

In den Messen für die Verstorbenen gibt es einen wunderbaren Satz in der Präfation: "Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Lebe gewandelt, nicht genommen", "vita mutatur, non tollitur". Während die irdische Wohnung zerfällt, entsteht im Himmel eine neue! Das erklärt die Freude, die der Christ in jedem Augenblick des Lebens verspürt. Er weiß, dass immer die Barmherzigkeit seines Vaters Gott, der ihn erwartet, mit ihm ist, mag er auch ein noch so großer Sünder sein. Das ist der Sinn des heutigen Festes der Göttlichen Barmherzigkeit, das gerade Papst Johannes Paul II. eingeführt hat, der damit diesen so tröstlichen Aspekt des christlichen Geheimnisses hervorheben wollte.

Dieser Sonntag kann eine gute Gelegenheit sein, um eine seiner schönsten Enzykliken, "Dives in misericordia", aufs Neue zu lesen. Er hat sie uns bereits 1980 geschenkt, im dritten Jahr seines Pontifikats. Damals hat uns der Papst dazu eingeladen, auf den "Vater des Erbarmens und den Gott allen Trostes zu schauen, der uns in aller Not tröstet"(vgl. 2 Kor 1,3-4).

In derselben Enzyklika lädt uns Johannes Paul II ein, den Blick auf Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, zu richten, die während ihres Besuches bei Elisabeth den Herrn lobt und ausruft: "Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht" (vgl. Lk 1,50).

Unser geliebter Papst hat dann die Kirche dazu aufgerufen, ein Haus der Barmherzigkeit zu sein, um alle aufzunehmen, die der Hilfe, der Vergebung und der Liebe bedürfen. Wie oft hat der Papst in diesen 26 Jahren wiederholt, dass die Beziehungen zwischen den Menschen und den Völkern nicht nur auf der Gerechtigkeit aufgebaut werden können, sondern dass sie von der barmherzigen Liebe vervollkommnet werden müssen, die für die christliche Botschaft so typisch ist.

Johannes Paul II., oder besser Johannes Paul II., der Große, ist so zum Herold der "Zivilisation der Liebe" geworden. Das ist ein Begriff, den er als eine der schönsten Definitionen für die "christliche Zivilisation" entwickelt hat. Es ist wahr: Die christliche Zivilisation ist eine Zivilisation der Liebe und unterscheidet sich radikal von jenen Zivilisationen des Hasses, die der Nationalsozialismus und der Kommunismus propagiert haben.

Am Vorabend des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit trat der Engel des Herrn vor den Apostolischen Palast im Vatikan und sprach zu seinem guten und treuen Diener: "Tritt ein in die Freude deines Herrn" (vgl. Mt 25,21).

Möge er vom Himmel aus auf uns Acht geben und uns helfen, diese "Schwelle der Hoffnung zu überschreiten", von der er so oft gesprochen hat.

Möge seine Botschaft in den Herzen der Menschen von heute immer tief eingeprägt bleiben. Allen ruft Johannes Paul II. erneut die Worte Christi in Erinnerung: "Der Menschensohn ist nicht zur Welt gekommen, um zu richten, sondern um sie zu retten" (vgl. Joh 3,17).

Johannes Paul II hat dieses Evangelium der Erlösung in der ganzen Welt verkündet. Die ganze Kirche hat er eingeladen, den Menschen von heute entgegenzugehen, sie zu umarmen und mit erlösender Liebe aufzurichten. Nehmen wir diese Botschaft auf und lassen wir sie fruchtbar werden für die Erlösung der Welt!

Und zu unserem unvergesslichen Vater sagen wir mit den Worten der Liturgie: "Mögen die Engel dich ins Paradies geleiten!", "In Paradisum deducant te Angeli!"

Möge dich ein festlicher Chor empfangen und in die Heilige Stadt geleiten, ins himmlische Jerusalem, damit du dort deine ewige Ruhe findest!

Amen.
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